Die Vorstellungen vom Leben nach dem Tode.
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einem Jeden das Mass von Glück und Schmerz zugetheilt wird, daser sich im gegenwärtigen Leben verdient hat. Doch bei dieser Ent-wicklung sind noch weitere ethische Motive wirksam, die eine be-sondere Betrachtung erheischen.
b. Die Entwicklung der Vergel tungsvo rStellungen in denNaturreligionen.
Die Götter des Naturmythus sind von dem Augenblicke an,wo sie als menschenähnliche und doch in allen ihren Eigenschaftenübermenschliche Wesen gedacht werden, nicht bloss selbst sittlicheIdeale, Vorbilder sittlicher Tüchtigkeit oder, wo die Vorstellung desnegativen Ideals entstanden ist, zum Theil auch Vorbilder des Ab-falls vom Guten, sondern in ihrem Schutze stehen zugleich Rechtund Gesetz, Staat und Familie, die Uebung der individuellen und dersocialen Tugenden. Sie haben die sittliche Weltordnung gegründet,und sie erhalten sie durch Belohnung und Strafe.
Mit den Vorstellungen vom Leben nach dem Tode steht dieseIdee einer göttlichen Weltordnung ursprünglich in keiner noth-wendigen Beziehung. Sie fehlt auch da nicht, wo die ersteren fastvöllig mangeln, wie bei den Semiten, und sie bildet einen deutlichhervortretenden Bestandtheil des religiösen Denkens, wo der Glaubean das Fortleben zunächst von dem düstern Eindruck des Todes be-stimmt wird, so dass der Tod überhaupt als ein Uebel erscheint,das kaum Abstufungen zulässt, wie bei den Griechen des Home-rischen Zeitalters. Aber die Erfahrung zeigt zugleich, dass dieVerbindung beider Vorstellungskreise auch in diesen Fällen mit derZeit eingetreten ist, und dass sogar da, wo das künftige Leben an-fänglich gar keine Stelle in dem mythologischen Denken fand, ihmder Vergeltungsgedanke später diese Stelle erobert hat. Mögen hier-bei äussere Einflüsse, Uebertragungen fremdartiger Religionsvor-stellungen wirksam gewesen sein: die Thatsache, dass die letztereneinen fruchtbaren Boden fanden, bleibt immerhin ein Zeugniss fürein mit der Entwicklung der sittlichen Anschauungen allmählichheranreifendes religiöses Bedürf'niss. Am klarsten spiegelt sich diepsychologische Entwicklung, die zu dieser Verschmelzung ursprüng-lich einander fernliegender Vorstellungen geführt hat, in den Wand-lungen, welche in dieser Beziehung die religiösen und sittlichen An-schauungen der Griechen erfahren haben.
Den Anfang der religiösen Entwicklung bildet auch hier ein