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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

durch die vollständige Trennung des Diesseits und Jenseits gewinntdaher dieses auch in ethischer Beziehung einen höheren Werth.Dabei können aber immer noch die Vorstellungen über denAufenthalt und Zustand der Seelen die verschiedensten Formen an-nehmen, die theils von der allgemeinen Bewusstseinsentwicklung, theilsvon der besonderen Gefühlsrichtung bestimmt werden. Am nächstenberühren sich diese Vorstellungen mit dem vorigen Gedankenkreis,wenn bestimmte ^Gegenden in der Nähe der Wohnstätten der Leben-den, namentlich einsame Thäler und Schluchten den Seelen der Ver-storbenen angewiesen werden. Ein weiterer Schritt führt den Insel-und Strandbewohner zu der Annahme entfernter, jenseits des Meeresgelegener Inseln, die eine den Lauf des Lebens mit dem Wandelder Sonne in Beziehung setzende Symbolik stets nach Westen ver-legt hat. Nicht bloss Hesiod lässt so die Halbgötter des viertenZeitalters auf denInseln der Seligen" ein ungetrübtes Glück ge-messen, sondern auch der Polynesier und der nordamerikanischeIndianer erzählen von der Meerfahrt, welche die Seelen nachsolchen Inseln bringt. Malt sich die Phantasie das künftige Schick-sal als ein düsteres und freudloses aus, so wird, wie in dergriechischen Mythologie, das Innere der Erde zu einer Unterwelt,einem Schattenreich, welches von besonderen Göttern beherrschtwird. Ist im Gegensätze dazu die Hoffnung einer besseren Zukunftdie vorherrschende Triebfeder der Gedanken, so werden in die lich-ten Bäume des Himmels und der Gestirne die Stätten der Seligenverlegt, unter dem Antrieb der nämlichen Association des Lichtenund Hohen mit dem Vollkommenen und Reinen, welche auch denGöttern himmlische Wohnsitze anweist. Dem Hades oder Orcustritt so das Elysium, der Hölle das Paradies gegenüber. Sind diesegegensätzlichen Anschauungen erst neben einander zur Geltung ge-kommen, so ist dies immer schon ein Zeichen, dass sie unter demEinflüsse sittlicher Vergeltungsvorstellungen stehen. So vollziehtsich, auch wo beide ursprünglich unabhängig entstanden sind, all-mählich eine wechselseitige Assimilation derselben. Zunächst spie-geln sich in den entgegengesetzten Vorstellungen des künftigen Zu-standes nur die Gefühle der Hoffnung und Furcht, von denen dasGemüth im Hinblick auf die Ungewissheit jenes Zustandes erfülltist. Sobald sich aber die sittlichen Triebe dieser Bilder bemäch-tigen, verbindet sich nun die Schätzung des Guten und die Verwerfungdes Bösen mit den Gefühlen der Hoffnung und Furcht, um daskünftige Leben zu einer Welt der Vergeltung zu machen, in welcher