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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Vorstellungen vom Leben nach dem Tode.

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vorausgegaugen ist haften bleibt, und. in eine höhere, die denferneren Schicksalen der Seele zugewandt ist, welche sich die Phan-tasie in einer von den Erinnerungen an die unmittelbaren irdischenErlebnisse unabhängigeren Weise ausmalt. Beide Gestaltungenstehen zumeist, doch nicht ausnahmslos, mit den oben besprochenenverschiedenen Motiven dieser Vorstellungen in Zusammenhang.

Wo die Erinnerungsmotive vorwalten, da ist die erste Formder Anschauungen die herrschende. Nach ihr verbleiben die Geisteran den Stätten ihres Lebens oder wenigstens in der Nähe derselben.Bald wird die Leiche als der dauernde Sitz der Seele angesehen,eine Vorstellung, welcher sichtlich die an den verschiedensten Ortenentstandene Sitte der künstlichen Erhaltung des Leichnams ihrenUrsprung verdankt; bald sollen die Geister der Verstorbenen, nachdem schon erwähnten Glauben von dem Uebergang der Seele beimTode in äussere Objecte, Thiere oder selbst leblose Gegenstände inBesitz nehmen; bald soll endlich der Geist unsichtbar oder als spuk-hafter Schatten, der nur in der Nacht sichtbar wird, die Lebendenumschweben. Alle diese Vorstellungen stehen zu dem Ahnencultus.der ja aus den nämlichen Motiven entspringt., in einer leicht erkenn-baren Beziehung. Wo der letztere, wie in Rom, von frühe aneinen Grundzug des religiösen Lebens bildete, da hat daher selbstdie Cultur jene primitiven Vorstellungen nicht überwinden können.Doch auch sonst bilden diese bald in Formen des Aberglaubensbald sogar in einzelnen religiösen Anschauungen einen mit denentwickelteren Ideen in Widerstreit tretenden, aber gleichwohl nieganz auszurottenden Bestandtheil der Vorstellungen vom zukünftigenLeben.

Sobald die Hoffnungen und Befürchtungen des eigenen Schick-sals nach dem Tode im Vordergrund des Bewusstseins stehen, über-wiegt jedoch regelmässig die zweite Gedankenreihe. Es bildetsich die Vorstellung von einem besonderen Land oder Reich derTodten, auf das freilich auch die der Wirklichkeit entnommenenAnschauungen übertragen werden, das aber doch in Folge seinerSelbständigkeit in der Ausmalung der Freuden wie der Schreckendes Daseins der Phantasie freien Raum lässt. So lange die Geisterin der Umgebung der Lebenden bleiben, führen sie unvermeidlichein von diesen abhängiges, bald ihren Wünschen dienendes, baldihre Pläne störendes, immer aber gedrücktes, von dem gespenstischenGrauen, von dem eine solche Vermengung des Todes mit demLeben unvermeidlich begleitet ist, beeinträchtigtes Dasein. Erst