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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Vorstellungen vom Leben nach dem Tode.

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Zeugniss für die vielverzweigten Wurzeln des religiösen Gefühls, dassdiese Elemente anfänglich getrennt sind und erst späterhin, sichgegenseitig unterstützend und stärkend, zu einer einheitlichen Kraftzusammenfliessen.

Allen Völkern ist ursprünglich die Ansicht eigen. dass dermenschliche Geist ein von dem Körper abtrennbares sinnlichesWesen sei. Zwei Quellen hat dieser noch in die Anfänge derPhilosophie hinüberreichende naive Materialismus: die Erscheinungendes Todes und die des Schlafes. Der Eindruck des mit demletzten Hauch des Athems dahinschwindenden Lehens ist hier dasursprünglich Bestimmende, wie uns noch heute die Bezeichnungendes Geistes und der Seele in den verschiedensten Sprachen ver-rathen. Geist, animus, spiritus, 'Jm/ 1 1, mach, alle diese Wörterweisen auf die Vorstellung hin, dass mit dem letzten Athemzug dieSeele entflieht*). Demnach wird sie noch heute im Volksglaubenals ein Windhauch, ein Rauch oder ein Wölkchen vorgestellt. Dieweitere Umbildung der Ideen knüpft sodann an das Traumbild an.Die Seele ist ein Schatten, dem Auge sichtbar, aber vor der tasten-den Hand in Luft zerrinnend. Wie schon während des Traumesdie Seele den Körper zeitweise verlassen und etwa in Gestalt einesSchmetterlings, einer Maus oder Schlange weite Wanderungen voll-führen kann**), so wird sie auch nach dem Tode zuweilen inThieren verkörpert gedacht, namentlich in solchen, die durch dieGeschwindigkeit ihrer Bewegungen, ihr plötzliches Kommen undVerschwinden ein unheimliches Grauen erregen, das nun dem Ein-druck des Todes als ein verwandtes Gefühl entgegenkommt. Dasssolche Vorstellungen für die späteren planmässig ausgebildetenSeelenwanderungsideen die natürlichen Anknüpfungspunkte darboten,ist nicht zu verkennen. Für die herrschende Entwicklung der Vor-stellungen ist aber dieser Glaube der Verkörperung in Thieren oderauch in andern, selbst leblosen Gegenständen von verhältnissmässiguntergeordneter und vorübergehender Bedeutung. Die Erinnerungan den Lebenden bleibt so mächtig, dass sie immer wieder demGeist des Verstorbenen sein Bild leiht.

*) Ueber Geist vgl. Hildebrand in Grimms Wörterbuch, IV, S. 2623,über das hebr. ruach Gesenius, Handwörterbuch, 7. Aufl., S. 797. Eine Zu-sammenstellung der Wörter noch anderer Sprachen mit gleicher Bedeutunggibt schon F. A. Carus, Geschichte der Psychologie. Nachgelassene Werke,III, S. 51. Der Ursprung des deutschen Wortes Seele ist unsicher.

**) Grimm, Deutsche Mythologie, 4. Auf!., S. 905.