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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

Da Theilung eines Wertlies überall den Werth, selber beeinträchtigt,,so kann das höchste Ideal nur ein einziges sein. Dass das sittlicheIdeal, wenn es wirksam sein soll, ein persönliches und mit allenZeugnissen der Wirklichkeit ausgestattetes sein muss, folgt aus demWesen der sittlichen Vorstellungen, die stets die handelnde Persön-lichkeit des Menschen zu ihrem Mittelpunkte haben. Dass endlichin der idealen sittlichen Persönlichkeit Wort und That im vollendetenEinklänge stehen müssen, liegt in jener Betliätigung des sittlichenLebens in Gesinnung und Handlung begründet, welche uns zugleichnach der durchgängigen Uebereinstimmung beider den Werth desCharakters ermessen lässt.

Wie das Heroenthum ein nothwendiges Entwicklungsproductder polytheistischen Naturmythologie, so ist das in der Einheit einermachtvollen Persönlichkeit verwirklicht gedachte sittliche Mensch-heitsideal das Correlat eines ethisch geläuterten Monotheismus. In-dem das Christenthum Jesus als den Mittler zwischen Gott undder heilsbedürftigen Menschheit bezeichnet, hat es dieser Stellungeinen selbst durch mythologische Trübungen nicht zu verdunkelndenA ""' 1 ru C k gegeben.

3. Die Religion und die sittliche Weltordnung.

a. Die Vorstellungen vom Leben nach dem Tode.

Die Idee, dass die Götter die Träger einer idealen sittlichenWeltordnung seien, hat sich erst allmählich aus verschiedenartigenElementen des mythologischen Denkens entwickelt. Zu den wich-tigsten dieser Elemente gehören die Vorstellungen vom Fortlebender Seele nach dem Tode. Ursprünglich aus selbständigen Motivenhervorgegangen und daher zumeist ganz ausser Beziehung stehendzu ethischen Anschauungen, sind sie allmählich mit diesen in eineinnige Verbindung getreten, indem sie einem der wichtigsten Be-standtheile der Idee einer sittlichen Weltordnung, den Vergel-tungsvorstellungen, als Stütze sich darboten. Auf einerspäteren Stufe kann es daher leicht so erscheinen, als habe indiesen der Gedanke des Fortlebens nach dem Tode seine einzigeTriebfeder. Mag aber auch anerkannt werden, dass er einmal ent-standen denselben hauptsächlich seine lange Erhaltung und seinespäteren Umgestaltungen verdankt, so ist es doch ein bedeutsames-