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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Das Ideal der ethischen Religionen.

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genommen, so dass moderne Mythologen sogar Buddha selbst ineinen Sonnenheros verwandeln wollten*). Innerhalb des Christen-thums ist dieser Einfluss mindestens in der Uebertragung altheid-nischer Sagen in christliche Vorstellungen zu spüren. Der Haupt-antrieb für solche secundäre Mythenbildungen ist aber doch diePersönlichkeit des Religionsstifters, dessen Gestalt die Phantasie miteinem Sagenkranz umflicht, der das ideale Bild desselben zumeistgerade in seinem ethischen Werthe hervorzuheben strebt. Wo da-her eine solche einheitliche Persönlichkeit fehlt, wo, wie im Brah-manenthum, die Begründung einer ethischen Religion von einerganzen Priestergenossenschaft ausging, da ist die ethische Formlediglich aus einer allmählichen philosophischen Umgestaltung undUmdeutung der ursprünglichen Naturreligion hervorgewachsen, undder Uebergang zu einer rein ethischen Weltanschauung gehörteigentlich nicht mehr der Religion, sondern der Philosophie an.Ueberdies fehlt hier vollständig jener wichtige ethische Factor despersönlichen sittlichen Vorbildes, welcher an die Existenz eines per-sönlichen Stifters der Religion gebunden bleibt.

In den vier grössten Culturreligionen der Welt, in der Lehredes Confucius, in dem Buddhismus, dem Christenthum und demMohammedanismus, hat nun diese Idee einer sittlichen Persönlich-keit, in welcher die Religionsanschauung ihren einheitlichen Mittel-punkt findet, und welche zugleich als das höchste Vorbild sittlichenLebens gilt, ihre vollendetste Ausbildung erreicht. Das Ideal, dasin dem Heroenthum der antiken Volksreligionen in einseitiger uuddarum überall der Ergänzung bedürftiger Weise zum Ausdruck ge-langte, concentrirt sich hier auf eine bestimmte historische Persön-lichkeit, deren Bild zwar vielfach durch die Legende entstellt seinmag. deren sittliche Spuren aber allzu deutlich in der Geschichteerhalten sind, als dass dadurch der Werth ihrer alle mythologischenPhantasiegebilde überstrahlenden Wirklichkeit beeinträchtigt werdenkönnte. Kann die Thaten des Heroen jeder Dichter erfinden, sobilden die überlieferten Lehren jener Religionsschöpfer durch denGeist höchster sittlich-religiöser Intuition, der sie durchdringt, einnicht zu fälschendes Zeugniss des Daseins ihrer Urheber. DassWort und That hier für den Gläubigen vollständig zusammenfallen,verleiht diesen Propheten und Mittelwesen zwischen Gott und derheilsbedürftigen Menschheit ihre ungeheure vorbildliche Bedeutung.

*) Vgl. hierzu 0 Idenb erg, Buddha, S. 73 ft'.

Wunclt, Ethik. 2. Anfl.

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