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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

den Erfindern der Fabel von Herakles am Scheideweg, als ein Bei-spiel kluger Vorsicht und bedachtsamer Ueberlegung, und so sehenschliesslich die Schulen der Cyniker und Stoiker in ihm das Idealeines den Schmerz verachtenden. Mühe und Entbehrung dem Lebens-genüsse vorziehenden Weisen.

Abgesehen von diesem Streben, alles, was nur überhaupt iobens-werth erscheinen mag, auf eine einzige ideale Persönlichkeit zuübertragen, fehlt es auch dem Heroencultus nicht an jener Theilungder sittlichen Eigenschaften, welche schon bei der Trennung dervermenschlichten Naturgötter eine so wichtige Rolle spielt. An dieNaturgrundlage des Heroenmythus anknüpfend, wird sie zugleichdas Mittel, verschiedene Heroengestalten in wechselvolle Beziehungenzu einander zu bringen und so der Heroensage jenes geschichtlicheLeben zu verleihen, welches ihrer Vermengung mit der wahrenGeschichte in wirksamster Weise Vorschub leistet. Man denke nuran die Vertheilung der Charaktereigenschaften zwischen den Heldendes trojanischen Sagenkreises oder der Nibelungensage! Die Ge-stalten eines Achilleus und Odysseus, eines Siegfried und Hagenbewahren, obgleich sie anscheinend absichtlich ausgeprägte Gegen-sätze sind, doch jede in ihrer Weise ihre ideale Bedeutung. Magauch die epische Dichtung viel dazu beigetragen haben, die Lebendig-keit dieser Gegensätze zu erhöhen, so ist sie doch dabei ebenso denImpulsen gefolgt, die sie von der Volkssage empfangen, wie dieseihrerseits auf der Grundlage einer der bewussteren Gestaltung derSage vorausgegangenen Uebertragung von Naturanschauungen insittliche Gegensätze erwachsen ist. So gewinnt auch hier dermythische Stoff seinen ethischen Werth durch ursprüngliche Gefühls-beziehungen, die zwischen dem menschlichen Thun und der äusserenNatur bestehen.

Mehr noch als in seinen Göttern legt aber ein Volk in denHelden seiner Sage seine eigensten sittlichen Anschauungen nieder.Auch nach ihrer Vermenschlichung behalten die Götter etwas Un-nahbares. Nicht bloss ihren Zorn, sondern auch ihre Gnade empfindetder Mensch als Schickungen, die er mit Demuth zu empfangen hat,ein Gefühl, welchem die Griechen in sinniger Weise in jenem MythusAusdruck gaben, der von den verhängnissvollen Folgen berichtet,die ein allzu naher Verkehr mit den Göttern Uber das Haupt desTantalos brachte. Das ist anders mit den Heroen. Wenn auch ihreigener Ursprung auf die Götter zurückführt, so haben sie selbstdoch unter Menschen menschlich gelebt und ein Geschlecht hinter-