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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Heroencultus.

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lassen, zu dessen letzten Sprossen zu gehören vielleicht Mancher sichrühmen mag. So erscheinen sie als erreichbare Ideale mensch-licher Tugenden, ein Werth, der reichlich ersetzt. was ihnen imVergleich mit den Göttern an Erhabenheit abgehen mag; und nebendiesem Vorzug fällt noch der andere ins Gewicht, dass an die ge-schichtliche Wahrheit der Heroen fester und darum länger geglaubtwird als an die der Götter selbst.

Doch auch das Heroenthum hat seine Zeit, nach deren Ab-lauf es zwar in der Volkssage immer noch fortlebt, wo es aber diesittliche Wirkung, die ihm durch die ideale Bedeutung der Heroenzukam, allmählich einbüsst. Die Gründe dieses Verfalls liegen theilsin dem stetigen Wandel der mythologischen Vorstellungen, theilsund vornehmlich in der Veränderung der sittlichen Anschauungen.Auf die Dauer kann der Heroencultus den Verfall der Naturmytho-logie nicht überleben. Es zeigt sich bald, dass er doch aus dieserallein seine Kraft schöpft, und dass der Heros, wenn der Gott, derhinter ihm steht, verschwindet. entweder völlig zum Menschen, zueiner erdichteten Persönlichkeit der Geschichte, oder zur Spukgestaltdes Volksaberglaubens wird, welche Kinder und Furchtsame schreckt,aber ihre ethische Bedeutung völlig verloren hat. Indessen istdas sittliche Leben ein anderes geworden. Der Heros ist dasIdeal einer rauhen Zeit, in der selbst etwas von der wilden Natur-gewalt lebt, die sich dereinst in dem Heroenmythus verkörpert hatte.Mag auch der Versuch, seine Gestalt veränderten Anschauungen an-zupassen, eine Zeit lang gelingen, endlich muss er doch fehlschlagen,sobald nur erst aus den veränderten sittlichen Bedürfnissen eineneue religiöse Weltanschauung entsprungen ist, die den Kampf mitden Ueberresten der Naturmythologie mit Erfolg aufnimmt. Auchden so entstandenen Culturreligionen fehlt das persönliche Idealnicht. Vielmehr nimmt es in ihnen die ethisch wirksamste Forman. indem es an eine historische Persönlichkeit von ungewöhn-licher sittlicher Grösse gebunden wird. Diese pflegt dann aber frei-lich der mythischen Umgestaltung ebenfalls nicht zu entgehen.

d. Das Ideal dev ethischen Religionen.

Keiner der Religionsanschauungen fehlen, wie unsere bisherigeBetrachtung gelehrt hat, die ethischen Elemente gänzlich. DieMotive des religiösen Gefühls sind denen des sittlichen so nahe ver-wandt, dass eine Trennung beider unmöglich ist. Aber die Natur-