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Die Religion und die Sittlichkeit.
Für die Erhaltung der mythischen Elemente des Denkens istdiese historische Umdeutung und ihre Vermengung mit wirklicherGeschichte von der grössten Bedeutung. Der Glaube an die Heroenüberdauert lange den an die wirklichen Götter. Zeus und Apollo,Hera und Athene waren schon zu Gegenständen einer zweifelhaftenVerehrung geworden, als noch die Thaten des Theseus, der Pelo-piden, des Odysseus für historische Wahrheit galten. Theils ist es dieZurückführung des Uebermenschlichen auf menschliche Verhältnisse,die unmittelbarere Anlehnung der Handlungen an menschlicheMotive, theils die Vermengung mit den Begebenheiten und Persön-lichkeiten der wirklichen Geschichte, welche der Heroensage diesegrössere Glaubhaftigkeit und dadurch höhere Widerstandskraft gegendie zersetzenden Einwirkungen des philosophischen Denkens unddes sonstigen Wandels der Anschauungen verleihen. Bei dieser be-sonders von der deutschen Heldensage freigebig geübten Einfügunghistorischer Landschaften und Persönlichkeiten in einen mythischenStoff, dessen Elemente zumeist deutlich auf einen einstigen Natur-mythus zurückweisen, folgt das mythenbildende Bewusstsein demTriebe nach einer lebendigeren Vergegenwärtigung der Gegenstände,und es ist so, ohne sich dieser Absicht bewusst zu werden, fortangeschäftig, den mythischen Stoff den sich ändernden Bedürfnissendes Bewusstseins anzupassen. Auf zwei Wegen verwandelt sichhierbei der Mythus in geglaubte Geschichte: theils indem ein derNaturanschauung entlehnter mythischer Inhalt durch die Aus-stattung mit historischen Beziehungen dem Verständnisse näher ge-rückt, theils indem ein wirklich historisches Ereigniss mythisch aus-gesclmiückt und verändert wird. Die erste dieser Umgestaltungenist wieder die ursprünglichste, die zweite aber ist diejenige, die amlängsten andauert, da sie sich bis tief hinein in die vom Licht derGeschichte erhellten Zeiten als eine Quelle neuer Sagenbildungenbethätigt und so ein Zeugniss dafür ablegt, dass die mythenbildendeKraft der Phantasie nie ganz erlischt.
In allen diesen Beziehungen üben nun zugleich die mit demHeroencultus verbundenen Vorstellungen eigenthümliche und nach-haltige ethische Wirkungen aus, in denen manche Seiten desreligiösen Lebens, die auf der Stufe des Naturmythus noch wenigentwickelt sind, ihre vollendetere Ausbildung erfahren. Der Ge-danke, dass der Gott ein ideales Vorbild menschlichen Strebens sei,gewinnt erst durch die Vermenschlichung der Heroengestalten unddurch die Beseitigung aller jener auf die Weltordnung bezüglichen