Der anthropomorphische Naturmythus.
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Naturgötter entgegen, die es zwar gestattet, dass an jedem derselbeneine Tugend mehr als andere hervorleuchte, der es aber wider-strebt, dem persönlichen Ideal nicht auch die andern rühmens-werthen Eigenschaften beizulegen. So entspringt schliesslich dieVertheilung der Eigenschaften an die vermenschlichten Naturgötteraus einer Art von Compromiss zwischen der durch Naturbedin-gungen und ethische Bedürfnisse nahe gelegten Trennung und derdurch die persönliche Einheit geforderten Verbindung der Eigen-schaften. In diesem Sinne erschien dem Griechen die Gestalt desZeus als ein Vorbild aller Herrschertugenden, vornehmlich der Ge-rechtigkeit; aber der Gott vereinigt damit nicht bloss, entsprechenddem erhabenen Eindruck einer machtvollen Persönlichkeit, dashöchste Mass körperlicher Stärke, sondern er ist nicht minder grossund furchterregend in der Leidenschaft. Hera bleibt, trotz der ver-unstaltenden Beimengungen, die aus der ursprünglichen Natur-bedeutung und der daran anknüpfenden Uebertragung menschlicherSchwächen entspringen, und die namentlich in den mannigfachenKämpfen mit Zeus zum Ausdruck kommen, in sittlicher Beziehungein Ideal edler Weiblichkeit. In Athene verkörpert sich jene geistigeKlarheit und Besonnenheit, verbunden mit energischer Willens-kraft, durch die sie im Kampf wie bei den Werken des Friedensals die mächtigste Helferin erscheint. Ueber allen hellenischenGöttergestalten aber als leuchtendes Vorbild einer jeden demGriechen erstrebenswerthen Tugend steht Apollo, bei dem ebendeshalb, weil seine ethische Bedeutung eine so weitverzweigteist, kaum ein einzelner Vorzug genannt werden kann, den er voranderen in seinem persönlichen Wesen zum Ausdruck bringt. Umso mächtiger tritt bei ihm die allgemeine religiös - sittliche Be-deutung in dem Cultus, dessen Träger er ist, sowie in dem Ein-flüsse hervor, den dieser Cultus auf den Pytliagoreisinus und durchihn auf die ganze spätere Philosophie ausübte.
Es würde ein interessantes, aber der gegenwärtigen Aufgabefernliegendes Unternehmen sein jenen Unterschieden des Mythusnachzugehen, in denen sich selbst bei nahe verwandten Völkern dieVerschiedenheit der ethischen Charakteranlage bethätigt. Wie weitliegt doch die erhabene, aber sichtlich die diistern und furcht-erregenden Züge hervorkehrende Mythologie der Inder von den einevielseitigere, aber in ihrem Grundton lichtfreudige Lebensauffassungwiderspiegelnden Göttervorstellungen der Griechen! Wie verschiedenist, trotz der Gemeinschaft der ursprünglichen Naturgrundlage, der