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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der anthropomorphische Naturmythus.

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der Macht der unmittelbaren Naturanschauung' noch völlig zurück-tritt. Mit dem Gedanken einer Art von sittlicher Weltordnungmögen immerhin solche primitive Naturgötter in Beziehung gebrachtwerden; aber sie selbst sind zu unähnlich dem Menschen, als dasssie durch die Eigenschaften, welche die mythenbildende Phantasieihnen beilegt, einen persönlichen Einfluss auf ihn gewinnen könn-ten. Damit hängt es wohl zusammen, dass man bei den Natur-völkern zwar selten die Elemente eines Naturmythus vermisst,ja dass gelegentlich ziemlich verwickelte kosmogonische Mythenbei ihnen Vorkommen, dass sich aber die Naturgötter niemals zusittlichen Idealen erheben, sondern im Gegentheil oft genug in Folgeder abschreckenden Züge, welche ihnen die Vorstellung der verderb-lichen Naturereignisse leiht, nur als furchtbare Wesen erschei-nen, eine Richtung, die übrigens, namentlich wenn die Bedingungender Naturumgebung dazu herausfordern, vielfach auch noch beiCulturvölkern der Naturmythus nimmt. Einen Beleg hierfür bildendie altsemitischen Religionsvorstellungen, wie sie namentlich in demvon den Motiven des Schreckens und der Furcht ebenso wie vonverstandesmässiger Berechnung beherrschten syrischen und phöni-kischen Götterdienst sich entwickelt haben. Hier überall zeigt essich dann, dass das dem Menschen eingepflanzte Streben sich einideales Vorbild von dem was er für tugendhaft und begehrenswertlihält zu denken, in dem Ahnencultus einen Ersatz sucht. So be-greift sich der merkwürdige Contrast düsteren Schreckens und liebe-voller Pietät, der uns, sobald sich jene verschiedenen Elemente durch-dringen, in den Religionsanschauungen und Stammsagen der semi-tischen Völker begegnet.

Indem die Verbindung des Naturgottes mit der Erscheinung,die ursprünglich als seine Verkörperung betrachtet wird, allmählichsich lös^t, wird derselbe zum unsichtbaren, aber dennoch von derPhantasie sichtbar hinzugedachten Beweger und Lenker der Er-scheinung. Die Ursachen, aus denen den Göttern oft groteskethierische Gestalten beigelegt wurden, fallen dadurch hinweg. DerGott wird durchaus menschenähnlich und bewahrt höchstens in ein-zelnen Attributen die Erinnerung an sein vormaliges Wesen. JeneMotive des Staunens und der Furcht, die von Anfang an die Er-habenheit der Naturerscheinung in dem Gemüth erweckte, treibennun die mythenbildende Phantasie an, den Gott mit allen den Eigen-schaften in gesteigertem Masse auszustatten, die ihr bei ähnlichenFormen menschlichen Wirkens begegnet sind. Die Naturanschauung'