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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Methoden der Ethik.

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griff des Sittlichen entwickelt und in seine Bestandteile zerlegt.Werden dagegen die ethischen Gesetze als die Wirkungen derempirischen Bedingungen angesehen, unter denen sich das mensch-liche Handeln befindet, so können diese Gesetze ihrerseits nur derErfahrung entnommen werden. Als das hauptsächlichste Werkzeugder ethischen Untersuchung erscheint dann die Beobachtung,mag man nun bei dieser vorzugsweise die innere Wahrnehmung dersittlichen Motive oder die äussere Feststellung der in Staat undGesellschaft zur Herrschaft gelangten sittlichen Zwecke im Auge haben.

Die speculative Methode, die den ersten dieser Wege ein-schlägt, erfreut sich des bestechenden Vorzugs, dass sie ein Werkaus einem Gusse zu Stande bringt, welches in den Bau eines welt-umfassenden Systems harmonisch sich einfügt. Sie braucht nichtauf Beobachtungen zu warten, die vielleicht erst in einer ungewissenZukunft möglich sind; sie braucht nicht vor zweideutigen Erfah-rungen zweifelnd Halt zu machen. Von einer bestimmten all-gemeinen Idee erleuchtet, geht sie unverrückt auf ihr Ziel los. Aberfreilich, sie erreicht dieses Ziel doch nur durch eine Selbsttäuschung,deren Folgen überall fühlbar werden, wo sie zur Anwendung ihrerPrincipien übergeht. Der Macht der Erfahrung kann sich Niemandentziehen. Wer sie auf dem geraden Wege vermeiden will, wirdihr auf Nebenwegen nicht entrinnen; nur wird er, statt auf alleihre Theile möglichst gleichmässig sein Augenmerk zu richten, eineinzelnes Factum herausgreifen, das aus irgend welchen Ursachengerade in seinem Gesichtsfelde liegt. In keinem Gebiet ist dieserNachtheil der speculativen Methode so augenfällig wie in der Ethik,offenbar wegen des ungeheuren Reichthums empirischer Thatsachen,über den sie verfügt. Es gibt kein ethisches System dieser Rich-tung, welches nicht irgend eine wahre und wichtige ethische Er-fahrung zur Geltung bringt; aber man kann wohl sagen, dass esauch keines gibt, welches sich nicht zahlreichen anderen ebensowahren und zum Theil ebenso wichtigen Thatsachen verschliesstund dadurch manchen Seiten des sittlichen Lebens nicht hinreichendgerecht wird. Der Umstand, dass auch die speculative Ethik esstets als ihre Aufgabe betrachtet, den ganzen Umkreis ethischerThatsachen von den allgemeinen Principien aus zu beleuchten, kannjenen Nachtheil nicht verbessern. Denn ein anderes ist es, voneinem zuvor gewählten Standpunkte aus Umschau zu halten, einanderes, nach vorgenommener Prüfung des ganzen Gebietes denStandpunkt zu wählen.