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Einleitung.
Betrachtungsweise, als jener Charakter des Befehls, welchen jedeNorm zukünftigen Handlungen gegenüber besitzt, den ethischenNormen vermöge ihrer Beziehung auf die praktische Willensthätig-keit vorzugsweise zukommt. Da praktisch der Befehl der Hand-lung, die sich nach ihm richtet, vorangehen muss, so liegt derSchluss nahe, dass auch theoretisch betrachtet die Norm nothwendigfrüher sei als ihre Anwendung. Darum hat man seit langer Zeitvielfach neben den logischen auch die sittlichen Gesetze als einenursprünglichen Besitz des Geistes angesehen, der nicht in seinemeigentlichen Bestand, sondern nur in seinen Anwendungen sich ent-wickeln könne; oder man hat, da irgend ein Ursprung doch, wiedem Geiste selbst, so auch jedem geistigen Inhalte zukommen muss,den Sittengesetzen eine übersinnliche Entstehung zugeschrieben,sie als das Band betrachtend, durch welches das empirische Daseinmit seinem ewigen Urquell Zusammenhänge.
Freilich aber war es hier mehr noch als auf logischem Gebietebegreiflich, dass diese Anschauung nicht ohne Widerspruch blieb.Die Abhängigkeit von den empirischen Bedingungen des sittlichenLebens lag zu deutlich vor Augen, als dass sich nicht von Anfangan der Versuch einer erfahrungsmässigen Ableitung der ethischenPrincipien der Voraussetzung ihrer Ursprünglichkeit hätte entgegen-stellen müssen. In der älteren Ethik durchkreuzen sich zumeist beideAnsichten, da man sie im Sinne jenes Platonisch-AristotelischenGedankens, der überall die Erfahrung als ein äusseres Hülfsmittelanerkennt, welches die in uns liegenden Begriffe zur Entwickelungbringt, als mit einander vereinbar betrachten mochte. In der neue-ren Ethik trennen sie sich mehr und mehr von einander, und dievon ihnen getragenen Bestrebungen treten einander feindseliggegenüber. In den Methoden der Ethik entsteht dadurch eintiefgehender Zwiespalt. Denn sobald man die ethischen Normen alseinen unabhängig von den wechselnden Bedingungen äusserer Ein-wirkung in uns liegenden festen Besitz betrachtet, kann diesemgegenüber die wissenschaftliche Aufgabe nur in einer Selbstbesinnungbestehen, welche die ursprünglich dunkeln Ideen zur klaren Erkennt-nis erhebt. Eine solche Selbstbesinnung bedarf nothwendig be-stimmter Voraussetzungen und Verfahrungsweisen. Die ersterenwerden hierbei der allgemeinen Weltanschauung entnommen, vonwelcher die Auffassung des Sittlichen einen integrirenden Bestand-theil bildet. Von dem Charakter dieser Weltanschauung ist danndas logische oder dialektische Verfahren getragen, das den Be-