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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Ethik als Normwissenschaft.

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lieh normative Wissenschaft wie die Logik ist streng in der Be-schränkung: sie schliesst alles von sich aus, was der Norm wider-streitet; eine mit dem übertragenen Normbegriff operirende, ursprüng-lich betrachtende Wissenschaft ist streng in der Verallgemeinerung:sie fordert, dass im Princip jeder Thatbestand bestimmten Normensich füge. Darum kann die erstere von Anfang an einen exactenCharakter besitzen; die letztere kann ihn nur durch eine allmählicheEntwicklung erwerben.

Wie auf solche Weise der Begriff der Norm in die explicativenWissenschaften übergeht, so wird nun aber der rein betrachtendeStandpunkt allmählich auch auf diejenigen Aufgaben ausgedehnt,welche man von Anfang an gewissen normativen Disciplinen zu-weist. Alle jene Regeln, zu deren Formulirung Logik, Grammatik,Ethik, Aesthetik u. s. w. gelangen, gründen sich auf Thatsaclien;sie bedürfen zu ihrer Feststellung einer vorangehenden Betrachtungder letzteren, und da die Normen selber den Charakter von Ver-allgemeinerungen aus Thatsachen besitzen, so wird das Merkmal derWerthschätzung, das ihnen eigen ist, überall erst dann in dierichtige Beleuchtung gerückt, wenn man sie im Zusammenhängemit den Thatsachen, mit denen sie in Beziehung stehen, einer ob-jectiven Prüfung unterzieht. Darum ist auch hier der explicativeStandpunkt an sich der frühere, jedenfalls der zunächst gebotene;und wenn es ihm auf manchen Gebieten erst spät gelingt, sich gegendie normative Behandlung durchzukämpfen, so verbirgt sich unterder letzteren zumeist nur eine thatsächliche Prüfung, die allzu frühfertig geworden ist und die mit einigen ursprünglichen und dürftigenAbstractionen für alle Zeit glaubt auskommen zu können, statt an-zuerkennen, dass die nie rastende wissenschaftliche Erfahrung auchden normativen Disciplinen immer neues Material für die Erkennt-niss des Wesens, der Bedeutung und selbst des Inhalts ihrerRegeln zuführt.

So sehr nun in Folge der angedeuteten Wechselwirkungen dieUnterschiede als fliessende anerkannt werden müssen, so bleibtdoch den Gegenständen der Normwissenschaften der auszeichnendeCharakter, dass bei ihnen gewisse Thatbestände von andern durchdas Moment einer besonderen Werthschätzung unterschiedenwerden, so dass abweichende Thatsachen entweder gar nicht odernur in dem negativen Sinne eines Widerstreits gegen die Norm inBetracht kommen. Der so sich ausbildende Gegensatz eines nor-malen und eines normwidrigen Verhaltens führt zu der Unter-