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Die Religion und die Sittlichkeit.
waren*). Jene Gegengöttin und ihre Verwandte wurden hier augenschein-lich durch die dem Bewusstsein lebendig bleibende abstracte Bedeutungdes Namens vor einem ähnlichen Geschick bewahrt, wie es denGöttern der alten Mythen widerfahren war. In einer Tyche, For-tuna, vollends einem Honos und einer Virtus und andern späterenObjecten des Cultus ist der Hinweis auf das Schicksal, das Glück,die Ehre und Tugend so zwingend enthalten, dass die Personificationdes abstracten Begriffs die erste und letzte Veränderung bleibt, welchedie mythenbildende Phantasie mit ihm vornehmen kann.
In diesen späteren Gestaltungen der mythologischen Vorstel-lungen hat sich aber zugleich eine vollständigere Trennung der.Richtungen vollzogen, in welchen sich der religiöse Inhalt desMythus bethätigt. Von jenen früher bezeichneten beiden Bestand-theilen des religiösen Ideals, nach deren einem die Götter idealeVorbilder menschlichen Handelns, und nach deren anderem sieTräger einer idealen Weltordnung sind, bleibt für zahlreiche Ge-stalten des späteren Mythus nur der zweite bestehen, und nament-lich die Personificationen der verschiedenen Schicksals-. Tugend-und Rechtsbegriffe schliessen jede andere Beziehung von selbst aus.ln gleichem Masse pflegt das vorbildliche Moment theils überhauptzurückzutreten, theils auf gewisse Mittelgestalten zwischen Menschen-und Götterwelt oder schliesslich sogar völlig auf menschliche Per-sönlichkeiten, die in der Erinnerung in idealisirter Form fortleben,überzugehen. In den Anfängen der religiösen Entwicklung ist nundie Vorstellung, dass die Götter ideale Vorbilder des Menschenseien, in ethischer Beziehung von der grössten Bedeutung, und durchsie erst empfängt die andere Anschauung, dass sie lohnend undstrafend die Geschicke der Menschen lenken, ihre sittliche Aus-prägung. Diese Wechselwirkung steht aber mit den Entstehungs-bedingungen des mythologischen Denkens in so nahem Zusammen-hang, dass, bevor wir den beiden oben bezeichneten religiösen Fac-toren näher treten, die Frage der psychologischen Entwicklung desMythus noch einer kurzen Vorprüfung bedarf.
e. Die psychologische Entwicklung des Mythus.
Dass alles mythologische Denken aus einer Quelle hervor-gegangen sei, erscheint vielen Mythologen als eine so selbstverständ-
*) Ygl. Preller, Griech. Mythologie, 3. Aufl., I, S. 441 ff. Schmidt,Ethik der Griechen, I, S. 53 ff. Ueber die römischen Schicksalsgötter und ihreVerwandte vgl. Preller, Röm. Mythologie, 3- Auf!., II, S. 178 ff.