Gut und Böse.
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verzichtet: schon Homer bildet die Steigerungen xcodcov, y.aziatoc,und im Deutschen ist nur eine gewisse Neigung zur Vermeidung derunmittelbaren Comparative erhalten geblieben. So sind die Formenböser, der böseste erst im Mittelhochdeutschen aufgetreten, undnoch heute werden sie gerne durch fremde Ableitungen, wieschlechter, in der Sprache Luthers durch ärger, ersetzt. Man hatin diesen sprachlichen Erscheinungen einen Hinweis darauf gesehen,dass das Völkerbewusstsein geneigt sei, namentlich dem Guteneine unbedingte Werthschätzung zuzumessen, welche den Gedankeneines Mehr oder Minder ausschliesse*). Dagegen ist jedoch zu be-merken, dass nicht bloss das Böse, sondern auch das Grosse undKleine bis zu einem gewissen Grade an dieser Eigenschaft theil-nehmen, und dass die Bildung von Ableitungen aus verschiedenenWortstämmen für zusammengehörige Begriffe überhaupt eine Er-scheinung ist, die noch sonst, z. B. bei der Bildung des Hülfszeit-wortes sein, sich wiederholt hat. Wohl aber scheint diese Erschei-nung nur bei sehr alten Wortbildungen vorzukommen, die einer Zeitangehören, in welcher die Sprache Begriffe von verwandter Bedeutungnoch verschiedenartigen sinnlichen Anschauungen entlehnen konnte.Darum mag also auch diese Thatsache, ähnlich wie die oben er-wähnte der dauernden Fortexistenz der sinnlichen Nebenbedeutung,ein werthvolles Zeugniss bilden für den frühen Ursprung sittlicherAnschauungen. Zugleich ist es wohl charakteristisch, dass dieserWechsel der Steigerungsformen sich auf eine Gruppe von Eigen-schaftswörtern beschränkte, die zur unmittelbaren Bezeichnung einesMenschen Verwendung finden konnten, ohne dass dabei eine Ver-gleichung mit andern Objecten von ähnlichen Eigenschaften beab-sichtigt war. In diesem Sinne lässt sich dann allerdings auch voneinem absoluten Werthe reden, den die Sprache den Benennungender Gute, der Böse, der Grosse, der Kleine beilegte. Diese habenhier aber nur in ähnlichem Sinne eine absolute Bedeutung wie etwader Eigenname. Indem sie gleich dem letzteren und manchmalvielleicht geradezu in Vertretung desselben zur festen Bezeichnungbestimmter Persönlichkeiten dienten, lag einem solchen Gebrauchder Gedanke an eine quantitative Vergleichung so ferne, dass in dendavon gänzlich verschiedenen Fällen, wo eine derartige Vergleichungin Frage kam, leicht abweichende Wortbildungen entstehen konnten.Immerhin wird man es auch von diesem Standpunkte aus als ein
*) Schmidt, Die Ethik der alten Griechen, I, S. 289.