Druckschrift 
Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
Seite
684
Einzelbild herunterladen
 

684

Die Menschheit.

binctung der geistigen Errungenschaften der Vergangenheit mit demeigenen Lehen und durch die räumliche Vereinigung aller gleich-zeitig Lebenden zu einem grossen Gesammtleben die Idee ihrer Ein-heit zur Wirklichkeit werden lässt, um so höher werden aber damitzugleich die sittlichen Aufgaben, welche nun an die beschränkterenWillenseinheiten, die im Dienste der grossen Gesammtzwecke arbeiten,herantreten. Wie der Mann für seine Handlungen verantwortlicherist als das Kind, weil man in dem Masse mehr von ihm verlangtals er mehr leisten kann, so erwachsen aus der erweiterten Erkennt-niss menschlicher Aufgaben höhere sittliche Forderungen. Die Ideeder Humanität, dereinst in den Gestaltungen persönlichen Wohl-wollens mehr instinctiv geübt als klar erfasst, hat erst in dem Be-wusstsein eines Gesammtlebens der Menschheit, das fortan in derGeschichte sittliche Aufgaben löst, damit ihm neue gestellt werden,ihr eigentliches Object sich geschaffen. Jene Idee hat damit einennie zu erschöpfenden Inhalt gefunden, aus dem sich ein Pflieht-bewusstsein der Völker entwickelt, das den sittlichen Lebensauf-gaben des Einzelnen Richtung und Ziel gibt.