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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die humanen Normen.

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hier unmittelbar das Gefühl, dass es mit der endlichen Pflicht diees erfüllt theilnimmt an einer unendlichen Aufgabe, der gegenüberdas individuelle und sogar das nächste sociale Interesse verschwindet.

Darum ist die subjective Tugend, die diesem Gefühl einerunendlichen Aufgabe entspricht, die Demuth, und die Norm der-selben lautet:

Fühle dich.als Werkzeug im Dienste des sittlichen Ideals.

Jede andere Demuth als diese ist eine Uebertragung auf falschesGebiet. Die objective Tugend aber die dieser Gesinnung ent-spricht ist die Selb st hin gäbe, welche die höchsten Grade derPflichttreue und der Opfenvilligkeit in sich vereinigt, indem bei ihrdas sittliche Subject hinter den idealen Aufgaben die es sich stelltvöllig verschwindet, — ein Aufgehen des Ich in der übernommenenPflicht, welches die Vorbedingung der grössten sittlichen Leistungenist. Die Norm der Selbstlosigkeit lautet daher:

Du sollst dich selbst dahingeben für den Zweck, den duals deine ideale Aufgabe erkannt hast.

Die Gegensätze der Demuth und der Selbsthingabe sind derUebermuth und die Selbstsucht. Sie verneinen die Existenz desIdeals, jener in der Gesinnung, diese in den Zwecken die sie ver-folgt. Da die höchsten sittlichen Leistungen die schwierigsten undseltensten sind, so ist es aber begreiflich, dass umgekehrt der Wider-streit gegen diese humanen sittlichen Normen uns als eine geringereBeeinträchtigung der individuellen Sittlichkeit erscheint als der Ver-stoss gegen die socialen Sittengebote. Doch nicht selten hebt auchden Schwachen der Augenblick in entscheidenden Lagen über seinegewohnte Interessensphäre hinaus und befähigt ihn durch ein plötz-liches Aufleuchten des Gesammtwillens in seinem Bewusstsein zusittlichen Leistungen, die ihm selbst bei kühler Besinnung kaumverständlich sind. Das eben ist der ungeheure Werth der Be-geisterung, dass sie die Schranken des individuellen Seins beseitigt,indem sie den Einzelnen zu Handlungen antreibt, denen gegenüberer sich nur noch als Werkzeug einer unendlichen Macht fühlt, inderen Willen er seinen eigenen Willen gefangen gibt.

Wenn bei den individuellen Normen die Bemerkung sich auf-drängte, dass dieselben wegen des den Gesichtskreis des Einzelnenüberschreitenden Inhalts der Pflichten nur einen formalen Charakterbesitzen, so gilt zwar von den humanen keineswegs das nämliche,