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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die sittlichen Motive.

die unmittelbaren Vorstufen der socialen Triebe. Diese entstehendirect aus jenen, sobald sich der Gesummtwille in Regungen äussert,die über die bloss individuellen Gefühle hinausgehen, ein Erfolg derregelmässig zugleich mit einer logischen Verknüpfung der Vor-stellungen verbunden ist, also einen Uebergang der Wahrnehmungs-motive in Verstandesmotive voraussetzt.

3. Die Verstandesmotive.

Verstandesmotive werden wirksam, sobald zwischen die ein-wirkenden Vorstellungen und den Entschluss zur Handlung dieUeberlegung tritt. Nicht der nächste, sondern ein entferntererZweck wird dann entscheidend, und der Antrieb zum Handelnverräth sich in dem Gefühl, welches an den durch die Reflexionentstandenen Zweck geknüpft ist. Hier sind also Zweckvorstel-lungen die Motive des Willens, aber sie können diesen immernur erregen durch das Medium der mit ihnen unlösbar verbundenenGefühle.

Die Zwecke, welche die Reflexion dem Willen als erstrebens-werth darbietet, zerfallen nun wieder in zwei grosse Zweckgebiete:das eine umfasst die auf die Förderung des eigenen Selbst gerichtetenLebenszwecke; das andere diejenigen, die dem Vortheil der Neben -menschen oder der socialen Gemeinschaft dienen. Die Grundformender Gefühle, die diesen beiderlei Zweckvorstellungen entsprechen,sind die eigennützigen und die gemeinnützigen Triebe.Sie sind zusammengesetztere Formen des Selbst- und des Mitgefühls;aber sie unterscheiden sich schon darin von jenen Gefühlsele-menten der Wahrnehmungsmotive, dass ihnen das sittliche Urtheilohne weiteres einen sehr verschiedenen Werth beimisst. Währenddas Selbst- und das Mitgefühl einander gleichberechtigt gegenüber-stehen, so dass der sittliche Charakter sie in ein harmonisches Gleich-gewicht zu bringen strebt, wird der eigennützige Trieb sofort alsder minderwerthige, der gemeinnützige als der höherwerthigeanerkannt, und im Fall des Conflictes zwischen beiden wird daherdem letzteren der unbedingte Vorzug eingeräumt.

Zwei Momente, ein subjectives und ein objectives, begründendiesen Unterschied. Einerseits ist die Selbstschätzung ein wesent-liches Erforderniss des sittlichen Charakters; sie ist aber kein Er-zeugnis der Reflexion, sondern stets eine unmittelbare Bethätigung