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Die sittlichen Zwecke.
von Nebeneffecten oder Folgen begleitet werden, die in die um-fassenderen Gebiete hinüberreichen. Insbesondere die individuellenZwecke lassen sich deshalb nicht untersuchen, ohne gleichzeitig aufdie entfernteren socialen und humanen Erfolge Bedacht zu nehmen,die aus ihnen hervorgehen.
Die methodische Behandlung der Probleme kann hierbei imallgemeinen zwei Wege einschlagen. Der erste besteht darin, dassman irgend einen allgemeinen Begriff des Sittlichen zu gewinnenund dann durch Analyse desselben die einzelnen ethischen Zweckezu bestimmen sucht. Dieser Weg ist in der neueren Ethik der ge-läufige, so sehr dass wer ihn nicht befolgt leicht von vornherein denVerdacht eines principlosen Verfahrens auf sich lädt. Jene Methode,zuerst das Princip zu fixiren und dann das Einzelne demselben unter-zuordnen, ist der modernen durch die christliche Ethik überliefertworden, die ihr Princip unmittelbar den religiösen Voraussetzungenentnehmen konnte. Als die weltliche Moralphilosophie solche Voraus-setzungen aufgab, behielt sie gleichwohl das einmal in Aufnahme ge-kommene Verfahren bei. Selbst der Empirismus machte hier keine Aus-nahme : wenn er z. B. das Princip der Selbstliebe oder des allgemeinenNutzens aufstellte, so geschah das nicht etwa auf Grund einer regel-rechten Induction, sondern indem er vor allen Dingen dem gewähl-ten Princip gemäss den Begriff des Sittlichen bestimmte und dannnachträglich zu zeigen suchte, dass die Folgerungen daraus wirklichden Anforderungen an einen glücklichen oder sittlichen Zustand ent-sprächen. An die Stelle der Thatsachen, an denen der Begriff desSittlichen zu messen ist, treten so zweifelhafte Hypothesen und De-ductionen, die niemals experimentell bestätigt werden können.
Der zweite Weg der ethischen Untersuchung geht daher vonunsern empirischen sittlichen Urtheilen aus; er sucht auf Grund der-selben zunächst die sittlichen Zwecke im einzelnen und dann mittelstderselben ein allgemeines ethisches Princip zu gewinnen. DieserWeg ist es, der in der antiken Ethik, die mindestens durch ihreFreiheit von Vorurtheilen der neueren überlegen sein dürfte, zu-nächst Sokrates eingeschlagen und dann in einer für die Lebens-anschaunng des Alterthums abschliessenden Weise Aristotelesvollendet hat. Man betrachtet es heute als ein kindlich naives Ver-fahren, wenn der erstere ein ethisches Princip dadurch aufzufindensucht, dass er zunächst ermittelt, wie Alle darüber denken. Unddoch wird es für uns niemals eine höhere Instanz der Wahrheit gebenals eben die der Allgemeingültigkeit. Was jedes normale Bewusst-