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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

nimmt dadurch an der Schaffung eines Gesammtwillens theil, derselbst wieder als ein bedeutsamer Factor in die geistige Entwick-lung des Gesammtgeistes der Menschheit eingreift. So erhebt sichals eine Willensschöpfung, für die es in den ursprünglichen Bedin-gungen der menschlichen Gesellschaft noch ganz auch nur an einerVorstufe fehlt, der Gesammtcharakter der Menschheit. Erist durchaus ein Erzeugniss geschichtlichen Lehens und geistigerCultur. Als solches aber hat er sich wenigstens bei den Cultur-völkern in einer grossen Zahl gemeinsamer Willensrichtungen, dieaus übereinstimmenden intellectuellen und sittlichen Anschauungenentspringen, bereits ausgeprägt. Man hat oft gesagt, der Wilde be-sitze nur einen Stammes- und Hordencharakter, aber es fehle ihmdie Ausbildung individueller Eigenschaften. Dies ist zweifellos biszu einem gewissen Grade wahr. Aber man irrt, wenn man damitdie Meinung verbindet, die allgemeine Charakterentwicklung erschöpfesich in der Individualisirung. Mit der letzteren und der nichtzu verkennenden allmählichen Abnahme der nächsten Einflüsse vonFamilie und Stamm geht ein entgegengesetzter Vorgang Hand inHand. Er besteht in der Ausbildung umfassenderer Volkscharaktereund in der schliesslichen Entwicklung eines allgemein humanenCharakters, in welchem, da in dem Conflict der Einzelnen wie derVölker vor allem die störenden Kräfte sich aufheben, endlich die-jenigen Willensrichtungen zum Ausdruck gelangen, die für den Men-schen als solchen, unabhängig von besonderen Raum- und Zeit-bedingungen, von bleibendem Werthe sind.

4. Das Gewissen.

a. Die verschiedenen Auffassungen des Gewissens.

Von der Willensfreiheit als der inneren, vom Charakter be-stimmten Causalität des Willens sind unmittelbar die Eigenschaftenabhängig, durch die sich unsere Selbstbeurtheilung von derBeurtheilung anderer von uns unabhängiger Thatsachen unterscheidet.Indem sich jene auf ein willkürlich Gesetztes bezieht, das nichtnur anders zu denken, sondern auch anders hervorzubringen inunserer Macht steht, richtet sie sich nicht bloss auf den äusserenEffect unseres Handelns, sondern zunächst auf die Ursachen des-selben, also die Motive, die es bestimmen, und den Charakter,der sich für jene Motive empfänglich zeigt. Der psychologische