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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

scheinungswelt überall auseinanderfallenden Momente des Willens.Denn Gott ist dem religiösen Bewusstsein der schöpferischeWeltwille, als solcher aber ist er nothwendig Individualwilleund Gesammtwille zugleich.

3. Die Willensfreiheit.

a. Die allgemeinen Merkmale der Freiheit.

Freiheit ist die Fähigkeit eines Wesens durch besonneneWahl zwischen verschiedenen Motiven in seinen Handlungen bestimmtzu werden. Die Aufhebung der Freiheit, die Unfreiheit ist ent-weder eine äussere oder eine innere: jene besteht in dem Zwang,bei dem die Wirksamkeit der Motive durch äussere Kräfte gehindertwird; diese in dem Mangel von Besonnenheit, bei dem dieWillensmotive nicht vollständig zur Entwicklung kommen, sei esweil sie in dem Bewusstsein der handelnden Persönlichkeit vorüber-gehend gehemmt sind, sei es weil dieses dauernd der normalen Moti-vationsfähigkeit ermangelt.

Das Vorhandensein psychischer Thätigkeiten als innerer Motivegenügt demnach nicht als Kriterium der Freiheit. Der Träumende,der Geisteskranke handeln nicht frei, obwohl sie Motiven folgenderen sie sich bewusst werden. Ebenso sind alle reinen Triebhand-lungen unfrei: das eine Motiv, durch das sie determinirt sind, wirktzwingend, weil keine weiteren Beweggründe existiren, die eine andereHandlung hervorbringen könnten. Zur Freiheit gehört zunächst Will-kür. Aber auch diese reicht nicht aus: der Geisteskranke kannMotive gegen einander abwägen und in der Ausführung seiner Thatmit bedachtsamer Ueberlegung verfahren; wir sprechen dennoch dieFreiheit der Entschlüsse ihm ab. Nicht dass eine Wahl stattfindet,sondern dass die Wahl selbst eine freie sei, erscheint unsals das Kennzeichen einer freien Handlung; und frei nennen wir dieWahl, wenn sie mit besonnenem Selbstbewusstsein geschieht.Dieses letztere aber unterscheidet sich dadurch von dem einfachenIchbewusstsein, dass es ein Bewusstsein der eigenen Persönlichkeitmit allen ihren auf der zurückgelegten Willensentwicklung beruhendenEigenschaften bedeutet. Seiner selbst sich besinnen heisst:der eigenen durch die vorangegangene Willensentwicklung bestimmtenPersönlichkeit bewusst sein, und besonnen handeln heisst: mitdem Bewusstsein der Bedeutung handeln, welche die Motive und