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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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David Hume und die schottische Gefühlsmoral.

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fühlsregungen möglich sei, und dieser Zweifel veranlasst ihn, seineAffecttheorie durch ein Hereinziehen verstandesmässiger Reflexionzu ergänzen, welche wesentlich von egoistischen Gesichtspunktenausgeht. Denn nicht nur wird der Begriff der Gerechtigkeit durchseine Einschränkung auf die Eigenthumsverhältnisse, sondern es wirdauch der Begriff des Eigenthums selbst in egoistischem Sinne verengt,da Hume nur den Privatbesitz als wahren Besitz anerkennt und zudem Behuf z. B. die Fiction einführt, der Strom, der durch einenStaat fliesse, gehöre nicht diesem, sondern streng genommen kommejedem einzelnen Staatsbürger ein Eigenthumsantheil zu. Niemandkann über den Horizont seines Zeitalters hinausblicken. Gerade insolchen Einzelheiten zeigt es sich, wie sehr der Gesichtskreis derHumeschen Ethik von jener individualistischen Gedankenrichtungdes lBten Jahrhunderts beeinflusst wird, die für alle Moralsystemedieser Zeit mehr oder weniger bestimmend ist. Hiervon abgesehenkonnte aber immerhin der nicht zu verkennende Zwiespalt der Ge-danken in Humes Moralphilosophie den Widerspruch herausfordern,ln der That sucht der Nachfolger Humes, Adam Smith, diesenZwiespalt zu beseitigen, indem er zu Hutchesons Anschauungen zu-rückkehrt, die er aber unter Anknüpfung an Humes Untersuchungerweitert.

Adam Smith ist in der Geschichte der Wissenschaft weitmehr durch sein nationalökonomisches Werk über denWohlstandder Nationen bekannt, als durch seineTheorie der moralischenGefühle. Aus dem ersteren Werk wird man schwerlich ahnen,welchen Standpunkt sein Verfasser in dem letzteren einnimmt. AlsNationalökonom verlegt Smith den hauptsächlichsten Beweggrunddes menschlichen Handelns in die vom egoistischen Interesse geleitetekluge Berechnung; als Moralphilosoph gründet er seine ganze Theorieauf die Gefühle, unter denen er den unegoistischen den höherenWerth einräumt. Gleichwohl ist er unbefangen genug in dem Ueber-blick über die verschiedenen Moralsysteme , mit dem er sein Werkbeschliesst, jeder Ansicht, auch derjenigen, welche die Sittlichkeitaus der Reflexion, und derjenigen, welche sie aus der Selbstliebeableitet, eine gewisse, freilich nur theilweise Wahrheit zuzugestehen *).

*) Theory of moral aentiments, zuerst 1759 erschienen. Deutsche Ueber-setzung nach der 3. Aufh, Braunschweig 1770, Thl. VI, Abschn. III. Vgl. ausser-dem J o h. Schubert, Adam Smiths Moralphilosophie, Philos. Studieu VI,S. 552 ff.