Die allgemeinen Grundlagen der christlichen Ethik.
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Aber nicht durch eigenes Verdienst kann nach christlicher An-schauung die Erlösung bewirkt werden, sondern Christus ist es, dernach Paulinischer Lehre durch seinen Opfertod die sündige Menschheiterlöst hat, und in dessen Auftrag die von ihm gestiftete Glaubensgemein-schaft zur Vermittlerin der göttlichen Gnade auf Erden geworden ist.So ergreifend in dieser Lehre das menschliche Schuldbewusstsein zumAusdruck kommt, so liegt doch in dem Gedanken der Stellvertretungbereits der Keim zu einer äusserlichen, nicht sowohl ethischen als ju-ristischen Auffassung der Sündenvergebung, welche die Verweltlichungdes mittelalterlichen Christenthums mindestens mitverschuldet hat.Zugleich aber wurde von Anfang an durch die Beschränkung des Heilsauf die christliche Glaubensgemeinschaft unverkennbar der sittlicheund humane Gehalt des Evangeliums beeinträchtigt. Mit grössererVerachtung als der Grieche auf den Barbaren, konnte der gläubigeChrist auf den ungläubigen Heiden herabsehen, der nicht nur imDiesseits der göttlichen Erleuchtung entbehrte, sondern dazu nochim Jenseits der ewigen Verdammniss entgegenging. Da aber unterallen Motiven, die auf das menschliche Herz wirken, diejenigen, dieseine Furcht und seine Hoffnung erwecken, die mächtigsten sind, somusste mehr und mehr die Kirche mit ihren Gnadenmitteln in denMittelpunkt der christlichen Glaubensvorstellungen rücken. In demMasse als der Glaube der ersten Christen an eine noch zu er-lebende Wiederkunft Christi zurücktrat und daher auch der Gläubigegenöthigt wurde, auf Erden bleibend sich einzurichten, um so grösserenEinfluss gewann der sichtbare Staat Gottes auf Erden.
Während die Entwicklung der religiösen Vorstellungen dieGrundgedanken der christlichen Ethik bestimmte, hat diese ihrephilosophische Gestaltung unter dem Einflüsse der der christlichenWeltanschauung am meisten wahlverwandten Richtungen der antikenPhilosophie, des Platonismus und theilweise des Stoicismus, gewonnen.Freilich forderte die religiöse Assimilation dieser Lehren mannig-fache Umbildungen, die auch auf die Ethik nicht ohne Einflussblieben. Den Emanationsvorstellungen der Neuplatoniker, welche inder christlichen Secte der Gnostiker eine Zeit lang weiter lebten,stellte die Kirche, unter dem gemeinsamen Einflüsse des jüdischenMonotheismus und der Lehre Christi von der Gotteskindschaft, einenausserweltlichen persönlichen Gott gegenüber; von dem Bediirfnissgetrieben, zwischen Gott und Welt eine Vermittlung zu finden, nahmsie aber die Idee einer Theilung des Gottesbegriffs trotz innererEinheit desselben aus den Emanationsvorstellungen herüber und ge-
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