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Die antike Ethik.
In der sinnlichen Welt dagegen wird die Reinheit der Ideen durchihre Verbindung mit der Materie getrübt: hier können daher dieeinzelnen Ideen sowohl untereinander wie mit der Idee des Gutenin Widerstreit treten. So entsteht das Böse und Unvollkommene,das in einem künftigen übersinnlichen Dasein wird überwundenwerden, ebenso wie es in einem dieser Gebundenheit an die Materievorausgegangenen noch nicht vorhanden war.
Augenscheinlich ist das ethische Motiv, aus welchem dieseganze Weltanschauung hervorging, mit demjenigen identisch, welchesden religiösen Vergeltungsvorstellungen zu Grunde hegt. DieseVerwandtschaft gibt sich auch in der Neigung zu erkennen, derPlato mehrfach gefolgt ist, seine philosophischen Gedanken in mytho-logische Bilder zu verhüllen. In dem Rahmen dieser mythologischenBilder treten dann auch solche Bestandtheile der Vergeltungsvor-stellungen wieder auf, die in der philosophischen Gestaltung derIdeenlehre keinen Platz finden konnten, wie der Gedanke einer Be-strafung der Sünder und eines Läuterungsprocesses der Schuldigen*).Bedeutsamer ist ein anderer ebenfalls in die mythische Form ge-kleideter, aber in seinem Kern echt philosophischer Gedanke, derdie Frage der Entwicklung der sittlichen Ideen in dem empi-rischen Bewusstsein berührt. Mit dem allgemeinen Satze, dass dasletztere die Ideen in der Form der sinnlichen Vorstellungen schaut,ist nothwendig zugleich eine innere Beziehung dieser Vorstellungenzu den Ideen, vor allem zu der vornehmsten derselben, zur Idee desGuten gesetzt. Aber es ist zugleich gefordert, dass die Idee desGuten nicht in unverhüllter Gestalt dem Bewusstsein gegeben sei,sondern in einer sinnlichen Form, aus der erst das dialektischeDenken den der Idee adäquaten Begriff erzeugt. Diese sinnlicheForm des Guten ist nun nach Plato das Schöne. Er gibt damitdem alten hellenischen Gedanken einer inneren Einheit des xocXövund des aycchöv einen tieferen philosophischen Inhalt. Im. Phädrusknüpft er diesen Gedanken an das mythologische Bild des Eros, desLiebesgottes, der als ein von den Göttern stammender Wahnsinnvon dem Liebenden Besitz ei’greife, indem er an dem Anblick desSchönen die Liebe entzünde, die eine Sehnsucht der Seele nach demunvergänglichen Urbild des Schönen sei. Unter allen Ideen ist dieder Schönheit die strahlendste, daher sie auch in ihren irdischenAbbildern durch den klarsten unserer Sinne, durch das leuchtende
! ) Phächus 248 ff. Phädon 109—115. Rep. X, 614 ft'.