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Die antike Ethik.
welche Gesellschaft und Staat an den Einzelnen stellen, thunlichstaus dem Wege gingen. Sie lehrten den Subjectivismus nicht blossweil sie an ihn glaubten, sondern auch weil er ihnen nützlich war.Hierin, und nicht etwa in ihrem Gegensätze gegen die ältere kosmo-logische Speculation, die sich erschöpft hatte, lag das Bedenkliche,für die öffentliche Moral Schädliche ihrer Lehre.
b. Sokrates und die Sokratischen Schulen.
So steht denn auch der Mann, den schon Aristoteles den Be-gründer der wissenschaftlichen Ethik genannt hat, Sokrates, inseinem Verhältniss zur vorangegangenen Philosophie durchaus aufeinem Boden mit den Sophisten. Auch ihm ist der Mensch, undzwar der einzelne Mensch, der einzige eines tieferen Interesses wür-dige Gegenstand. Aber er trennt sich von seinen Vorgängern undZeitgenossen in der Schätzung der Motive des menschlichen Thuns,indem ihm alle diejenigen Beweggründe als nichtige oder mindestensals untergeordnete gelten, die auf die Befriedigung einer vorübergehen-den Lust oder eines vorübergehenden Nutzens gerichtet sind, die-jenigen aber als die wahrhaft menschenwürdigen, die ein dauerndesund dabei dennoch intensives Lustgefühl hervorzurufen imStandesind. Dauer und Stärke, obgleich nur formale Kriterien, geben nunbei der Aufsuchung der inneren Eigenschaften des Guten leichtzu erkennende Merkmale ab. Doch ist es Sokrates, wie wir aus denDarstellungen seiner Lehre bei Xenophon und Plato schliessenmüssen, nicht gelungen einen seinem Inhalte nach sicher definirtenTugendbegriff zu gewinnen. Und es ist dies leicht begreiflich,nicht bloss weil Stärke und Dauer immerhin nur die Bedeutungrelativer Merkmale besitzen, sondern weil die ganze Art undWeise der Sokratischen Untersuchung einen inductiven Charakter ansich trägt, wobei es sich mehr darum handelt das Gute an einzelnenBeispielen darzulegen, als es in einen festen Allgemeinbegriff zu-sammenzufässen. So kommt es, dass in diesen Ausführungen nichtnur das Gute und das Nützliche und Angenehme sich vollständig zudecken scheinen, sondern dass selbst verhältnissmässig untergeord-neten Arten des Nützlichen ein ethischer Werth zuerkannt wird*).Die ganze Lebensanschauung des Sokrates würde man aber sicher-
*) Bezeichnend in dieser Beziehung sind namentlich zahlreiche unter denin Xenophons Memor. berichteten Aeusserungen.