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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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262 Die Natur- und Culturbedingungen der sittlichen Entwicklung.

Guten entschieden hat, so kann nicht mehr bezweifelt werden, aufwelcher Seite der Vorzug zu suchen sei.

3. Allgemeine Ergebnisse.

a. Die psychologischen Elemente der Sittlichkeit.

Die Begriffe gut und böse, sittlich und unsittlich sind in denvorangegangenen Betrachtungen vorläufig überall in ihrem einemziemlich unbestimmten Sprachgebrauch entnommenen Sinne ver-wendet worden, wobei dahingestellt bleiben musste, ob diese Be-griffe wirklich in dem allgemeinen Bewusstsein hinreichende Klar-heit besitzen, und ob sie überhaupt bestimmt zu begrenzen sind. Danun die sittlichen Vorstellungen, wie wir sahen, mit den veränder-lichen Bedingungen der Naturumgebung wie des Cultureinflussesselbst sich verändern, so liegt in der That der Zweifel nahe, ob dassittliche Leben ein zusammenhängender Thatbestand sei, und nichtvielmehr in verschiedene, zum Theil gar nicht sich deckende Er-scheinungen zerfalle. Wechseln nicht gut und böse, Tugend undLaster so ungeheuer in der Auffassung der Menschen, dass dieseBegriffe immer nur innerhalb beschränkterer Zeitperioden und Lebens-kreise einen annähernd ähnlichen Inhalt besitzen, während sie dar-über hinaus gänzlich von einander abweichen, ja möglicher Weisein Gegensätze sich umwandeln? Ein Achill oder Odysseus, in denendie Zeit, die zuerst den Homerischen Gedichten lauschte, Vorbildermännlicher Tugend sah, wie anders erscheinen sie dem stoischenPhilosophen oder gar dem brahmanischen Weisen und frommenChristen, denen Zorn und Rache, List und Betrug, selbst wenn diesein dem Dienste rühmlicher Zwecke zu stehen scheinen, als verab-scheu enswerthe Verbrechen gelten! Gegenüber dieser so schwanken-den Natur der sittlicheji Vorstellungen im allgemeinen Bewusstseinerhebt sich dringend die Frage, ob es überhaupt allgemeingültigeElemente des Sittlichen gibt, oder ob nicht vielleicht das Einzigewas als ein gemeinsames Merkmal anzuerkennen ist sich darauf be-schränkt, dass überall gewisse Handlungen gebilligt und anderemissbilligt werden, wobei aber der Inhalt dieser einem verschiedenenWerthurtheil unterworfenen Thatsachen der allerverschiedenste seinkönnte. Diese Frage ist um so wichtiger, als offenbar die allge-meinen Elemente der sittlichen Vorstellungen, sofern dieselben über-