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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sitte und das sittliche Leben.

gemeinsame Glaubensbewusstsein ein Hinderniss für die Entwicklung

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einer freieren Humanität. Aber die Ueberwindung der Hemmungen,welche die nationalen Schranken von Sprache und Sitte der Ver-breitung der humanen Ideen entgegensetzten, bleibt eine so unge-heure That, dass dagegen jene Mängel, mochten sie auch zeitweiliggrösser gewesen sein als die Uebel an deren Stelle sie traten, imLichte einer umfassenderen Betrachtung verschwinden. Sie ordnensich dem allgemeinen Gesichtspunkte unter, dass die sittliche Ent-wicklung überall aus Gegenwirkungen hervorgeht, die Störungenunvermeidlich machen. Die Zurücklenkung in die ursprünglicheBahn pflegt dann durch den Hinzutritt neuer Momente entschieden zuwerden. Ein Moment dieser Art ist in der modernen Welt dereinen immer grösseren Umfang annehmende Verkehr der Völker.Auch hier werden nicht selten weit abliegende Triebfedern desHandelns den geschichtlichen Zwecken dienstbar gemacht. Als der-einst der Hass gegen die Ungläubigen, vereint mit einem unbe-stimmten idealen Streben und gelegentlich mit manchen andern derSache fremden Motiven, die Christenheit des Abendlandes zu denUnternehmungen der Kreuzzüge begeisterte, da ahnte sie nicht, dasssich in diesen Unternehmungen ein lebendiges Interesse an denVölkern und Ländern des fernen Ostens entzünden werde, welchesbis in das Zeitalter der Entdeckungen nicht mehr erlöschen sollte.Das Werk des Fanatismus wurde so weitergeführt durch das intel-lectuelle Interesse, und den Spuren des letzteren folgten die Be-strebungen einer allmählich zu rein humaner Begeisterung sich er-hebenden Menschenliebe. Diese Entwicklung geht Hand in Handmit der Ausbildung derjenigen Form humaner Bethätigung, die,ursprünglich aus der antiken Gastfreundschaft hervorgegangen, inunserer heutigen Cultur die wahre Stellvertreterin derselben gewordenist, der Wohlthätigkeit.

d. Die Wo hl th äti gkei t.

Einfachere Verhältnisse des Lebens kennen, da in ihnen dieUnterschiede des Besitzes noch nicht dauernd das drückende Gefühl desMangels entstehen lassen, die Wohlthätigkeit nur in keimartigenAnfängen und, wie dies namentlich das Verhältniss der Gastfreund-schaft zeigt, in vorübergehenden und rein individuellen Handlungen.Aber es hat der antiken Welt nicht bloss ursprünglich am Anlass,