Die Kleidung.
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dem Reichen und Vornehmen gleichthun. Der gleichförmige Gesell-schaftsanzug ist der ausgesprochene Verzicht auf diesen kostspieligenWettstreit. Aber dieser Verzicht würde wahrscheinlich nicht zuStande kommen, wenn nicht als weiteres Motiv der Wunsch Zeitund Arbeit zu ersparen hinzuträte. Unsere moderne Männertracht istdie bequemste für unser Klima. Es lässt sich bei ihr ohne beson-deren Zeitaufwand der Alltagsanzug mit dem Festgewand vertau-schen, und der nämliche Festanzug lässt sich für alle möglichenZwecke verwenden: man kann in ihm von einem Begräbniss zueiner Hochzeit wandern, um nachher noch die Sitzung einer gemein-nützigen Gesellschaft zu besuchen. Der um den eigenen Lebens-unterhalt und im Dienste öffentlicher Interessen kämpfende Mannist es aber hauptsächlich, für den diese Ersparung an Zeit unterallen Umständen ein Bedürfniss ist. Bei der Frau ist daher jenerstillschweigende Verzicht auf den Wettstreit nicht eingetreten. AnWerktagen freilich muss es sich auch die Köchin aus gutem Hauseversagen, es ihrer Gebieterin gleichthun zu wollen; aber am Sonn-tag, wo sie die nöthige Müsse findet, ist es zuweilen, wie bei denGriechen, bloss die Art das Himation zu tragen, durch die sie sichvon ihrer Herrin noch unterscheidet.
Der uniformirenden Tendenz, von welcher diese Entwicklungbeseelt ist, entziehen sich dauernd nur gewisse Formen der Klei-dung, bei denen die Sitte ein Festhalten an charakteristischen Unter-schieden zur Pflicht macht. Diese Ausnahmen sind: die Volks-tracht, die Standestracht, die Festtracht und die Trachtdes Trauernden. Schon mit dem in allen diesen Fällen ge-brauchten Ausdruck „Tracht“ verbinden wir, im Gegensätze zur„Kleidung“, die beliebig wechseln kann, die Vorstellung einer ge-wissen Constanz. So ist die Volkstracht die einer bestimmtenBevölkerung, die Standestracht die einer Berufsgenossenschaft.,sei es bleibend sei es bloss während der Ausübung der Berufs-pflichten, gleichförmig zukommende Art sich zu kleiden. Ihnengegenüber stehen der Fest- und der Traueranzug bereits auf derGrenze zwischen Tracht und Kleidung; denn bei ihnen hat sich dieForderung der Constanz auf gewisse Nuancen der Kleidung be-schränkt: das Festgewand besteht aus bunteren Farben oder ausbesseren Stoffen, oder gewisse Kleidungsstücke, wie bei uns derFrack und der Cylinderhut, nehmen conventioneil den Charakter desFestkleides an. Das Tr au er ge wand vermeidet im Gegensätzezum Festkleid bunte und glänzende Stoffe: der Trauernde kleidet