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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Kleidung.

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endlich in den Ohrringen und dem Haarschmuck unserer Frauen,diesem — nachdem der männliche Zopf verschwunden ist — letztenRest eines directen Körperschmucks beim europäischen Menschen.So wandert der Schmuck langsam und nicht ohne mancherlei Rück-fälle vom Körper auf seine Umhüllung. Das Verdienst, jene Ueber-lebnisse aus einer wilden Vorzeit zum ersten Male, wenn auch nichtmit überall dauerndem Erfolge, beseitigt zu haben, gebührt denGriechen. Schon in der heroischen Zeit, die in der bunten Aus-schmückung des Gewandes noch dem Beispiel des Orients folgte,hatte der Schönheitssinn der Hellenen wenigstens beim Manne demdirecten Körperschmuck beinahe völlig entsagt*). Die bereits bei Homerso charakteristisch hervortretende Bewunderung der normalen durchKraft und Schönheit hervorragenden Mannesgestalt musste von selbstdazu führen, dass allmählich auch diejenige Kleidung als die wohl-gefälligste erschien, welche der natürlichen Körperform am voll-kommensten angepasst sei. So begann die bunte Farbe und derSchmuck der Kleidung der Einfarbigkeit und Einfachheit der Ge-wänder zu weichen. Der Grieche der Perikleischen Zeit brachte dieUnterschiede des Standes und der Abkunft nicht wie der Orientalein den Gradabstufungen des äusseren Schmuckes zur Geltung, son-dern in der grösseren Sorgfalt der Kleidung und vor allem in derArt des Benehmens und in der Würde der Haltung. An der Weise,wie er das Himation, das über die Schulter geworfene Tuch, trug,unterschied der Athener den feingebildeten Griechen von dem Bar-baren. Die Römer folgten dem Beispiel der Griechen. Erst in derspäteren Zeit gewann, wie auf Religion und sonstige Sitten, so auchauf den Schmuck des Körpers der Orient abermals einen wachsen-den Einfluss. Aus der Wechselwirkung des einfachen Schönheits-sinns der classischen Völker und der Neigung der Orientalen fürdas Prächtige und Bunte sind so die malerischen Trachten desMittelalters hervorgegangen. Hatten die Kreuzzüge durch Jahrhun-derte hindurch den Einfluss orientalischer Sitte verstärkt, so begannin der Renaissanceperiode wieder die classische Einfachheit zumSieg zu gelangen. Der gezierte Barockstil endlich hat in der Trachtzu den mannigfaltigsten Verunstaltungen und darunter namentlichauch zu Versuchen geführt, den directen Körperschmuck wieder-herzustellen. Sind nun gleich Perrücke und Zopf, Schminke undSchönheitspflaster allmählich verschwunden, so ist dennoch aus dieser

*) Vgl. Buch holz, Die Homerischen Realien, II, 2, S. 260 ff.