Instinct und Sitte.
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so viel wir wissen, auch religiöse Gefühle und Vorstellungen denThieren fehlen, reichen die Formen socialer Vereinigung und diean sie gebundenen Bethätigungen von Liebe und Hass beinahe soweit zurück, als Empfindung und Wille in der lebenden Natur an-zutreffen sind.
Die Betrachtung der Thatsachen des sittlichen Lebens kanndaher von der Verwandtschaft, die gerade hier den Menschen mitden Thieren verbindet, nicht unberührt bleiben. Da wir rückhaltlosanerkennen müssen, dass die einfachsten Gefühle und Triebe beiThier und Mensch von wesentlich übereinstimmender Beschaffenheitsind, werden wir auch nicht anstehen dürfen, in gewissen Erschei-nungen des socialen Lebens der Thiere die Vorstufen jener Seitendes sittlichen Lebens anzuerkennen, welche wir an die Formen desZusammenlebens geknüpft sehen. So wird die alte Frage von demUrsprung der sittlichen Rechtsordnung in einem gewissen Sinne ausder Anthropologie in die Zoologie zurückverwiesen. So weit sieüberhaupt zu erörtern ist, wird es sich nur darum handeln könnendie natürlichen Bedingungen aufzuzeigen, die, allen Einflüssengeistiger Cultur vorangehend, auf der Grundlage der allgemein-gültigen Triebe Verbände gleichartiger Wesen entstehen lassen.
Wenn eine solche biologische Voruntersuchung selbst jedesanderen Werthes entbehrte, so würde sie doch schon aus einemmethodologischen Gesichtspunkte nützlich sein. Denn darin wenig-stens befinden sich alle Vereinigungen der Thiere, so tief sie auchsonst unter den primitivsten Formen menschlicher Gesellschaft stehenmögen, mit dieser in Uebereinstimmung, dass durch sie gewisseZwecke erreicht werden, die für das Leben der Individuen odermindestens der Mehrheit derselben förderlich sind. In allen der-artigen Fällen liegt nun der Irrthum nahe, und er wird daher ge-wöhnlich zunächst begangen, anzunehmen, der erreichte Zwecksei zugleich die wirkende Ursache, hier speciell also das Motiv,welches den mit Bewusstsein geschehenden Handlungen zu Grundeliege. Auf die Einrichtungen der menschlichen Gesellschaft an-gewandt empfängt dieser Irrthuni in manchen unzweifelhaft auseiner Ueberlegung der Zwecke hervorgegangenen Thatsachen eineso augenfällige Stütze, dass seine Widerlegung schwierig und fürdie populäre Anschauung vielleicht nie ganz überzeugend ist. Vielgünstiger verhält sich die Sache bei den Thieren, wo das Miss-verhältniss zwischen dem wirklich erreichten Effect und der Reflexion,die erforderlich wäre um ihn absichtlich herbeizuführen, allzu stoss