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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Vemunftmotive.

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einer unendlichen Zeit oder eines unendlichen Raumes in einem fer-tigen Bilde jemals möglich ist. Eben insofern ist sie eine Ideeund keine eigentliche Vorstellung. Unmittelbar im Bewusstseinkann immer nur eine Vorstellung der Richtung enthalten sein,in der in einem gegebenen Moment das sittliche Leben verlaufenmuss, damit es seiner idealen Bestimmung entgegenführe. Diesaber ist wieder nur dann möglich, wenn in den Wahrnehmungs-und Verstandesmotiven schon jene Richtung angelegt ist, und dahernur die Einsicht in die tieferen Gründe dieser Motive hinzukommenmuss, um sie zu Vernunftmotiven zu erheben.

Alle Wahrnehmungstriebe beruhen nun, wie oben bemerkt,auf dem Wechselverhältniss von Selbst- und Mitgefühl, wobei dasletztere nicht als ein übertragenes sondern als ein erweitertes Selbst-gefühl zu betrachten ist: es besteht in dem Gefühl unmittelbarerEinheit des Individualwillens mit einem Gesammtwillen, der ohnebestimmte Grenzen räumlich über die Unendlichkeit aller Wesen mitgleichartigem Bewusstsein, zeitlich über die Unendlichkeit allerkünftigen Bewusstseinszustände dieser Wesen sich ausbreitet. Dennjedes Handeln, wenn auch in der Gegenwart sich bethätigend, istdoch auf die Zukunft gerichtet und fliesst so in die unendlicheCausalreihe zukünftiger Willensentwicklungen über. Alle Wahr-nehmungsmotive ordnen sich daher jener doppelten Unendlichkeitunter, so wenig davon auch dem Handelnden selbst eine deutlicheVorstellung beiwohnen mag. Gerade hier kommt jedoch eine charak-teristische Eigenschaft des Gefühls zur Geltung. Nie existirt dasGefühl ohne Vorstellung. Aber da es nicht die unmittelbare objec-tive Bedeutung der letzteren sondern ihre Wirkung auf das Be-wusstsein ausdrückt, so können in ihm Beziehungen der Vorstellungzur Mitwirkung kommen, die über den nächsten Inhalt derselbenweit hinausreichen, und über die erst eine Ueberlegung, die derletzten Causalität der Motive nachgeht, Rechenschaft zu geben ver-mag. Der Lebensretter, der mit eigener Gefahr ein fremdes Kindden Flammen entreisst, sieht vielleicht in dem Augenblick der Thatnichts vor sich als den unmittelbaren, ganz sein Bewusstsein fesselndenEindruck. Zum Inhalt dieser Vorstellung steht der Affect, der ihnzur Handlung fortreisst, in gar keinem Verhältniss. Jenes Einsetzender eigenen für die fremde Persönlichkeit ist nur begreiflich auseinem Gefühl unmittelbarer Einheit des eigenen Ich mit dem andern,welches im entscheidenden Moment die rettende That ebenso un-mittelbar erzwingt, als handelte es sich um das eigne Leben. Diese