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Die sittlichen Motive.
handelt nach den unmittelbaren Impulsen des Selbst- und des Mit-gefühls; ein etwaiger Conflict beider wird hier zumeist schnell durchdie überwiegende Stärke des einen Motivs entschieden, und das in-tensivere Motiv pflegt vermöge der glücklichen Uebereinstimmungvon Naturanlagen und äusseren Naturbedingungen nicht selten denStreit auch im ethischen Sinne befriedigend zu lösen. Die Vernunft-motive dagegen liegen jenseits des Kampfes der Interessen: indembei ihnen weder die nächsten noch die entfernteren, sondern dieletzten Zwecke des Sittlichen in Triebe sich umwandeln, könnenzwar noch Zweifel und Irrthum über die zu wählenden Mittel Vor-kommen, aber ein Streit über die zu bevorzugenden Zwecke selberist nicht mehr möglich. So bleiben denn die Verstandesmotive dereigentliche Tummelplatz des Streites der Interessen. Der Egoismus,fortwährend zurückgeschlagen durch die ihm sittlich überlegenengemeinnützigen Triebe, beginnt immer wieder von neuem sein Werk.Zeitweise scheint er ganz die Herrschaft an sich zu reissen, so dassnur das Gleichgewicht der Einzelinteressen der schrankenlosen Selbst-sucht Grenzen setzt. Die einseitige Betrachtung der verstandes-mässinen Sittlichkeit konnte daher wohl den in der Geschichte der
O
Ethik so oft hervorgetretenen Gedanken erwecken, gemeinnützigeTriebe seien selbst eine durch den Egoismus erfundene Einschrän-kung eigennütziger Bestrebungen. Hätte man sich damit begnügthervorzuheben, dass der Egoismus nicht bloss, wie es zunächstscheint, dem Gemeinwohl im Wege steht, sondern nicht selten auchda den allgemeinen Zwecken dient, wo er nur dem Individuum zudienen glaubt, so würde hiergegen nichts einzuwenden sein. Diegemeinnützigen Erfolge selbstsüchtiger Klugheit, deren unsere imWettbewerb der Interessen so Erstaunliches leistende Zeit vielleichtmehr aufzuweisen hat als irgend eine frühere, sind aber wiederumnur Beispiele der auf sittlichem Gebiet überall wirksamen Hetero-gonie der Zwecke.
Doch diese ihren Ursachen ungleichartigen Wirkungen würdennimmermehr entstehen können", ohne dass sie auch selbständig unddurch Ursachen die ihnen adäquat sind zur Wirkung gelangten.So reichen denn, wie die Erfahrung lehrt, jene heteronomen Wir-kungen zwar aus, um ein einmal bestehendes Gleichgewicht derKräfte aufrechtzuerhalten, oder um die direct auf das Gemeinwohlgerichteten Triebe zu unterstützen. Wie es aber um den sittlichenFortschritt steht, wenn der Egoismus allein das Wort führt, davongeben uns die Erscheinungen des allgemeinen Sittenverfalls, deren