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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Die Sitte und das sittliche Leben.

gelegt wurde, hatte sich aber immer noch eine Spur des Ursprungsaus der alten Pflege der Gastfreundschaft erhalten.

Die zweite umfassendere Bethätigung der christlichen Humanitätbestand in der Entstehung der Missionen. Die Heidenmissiongehörte, seit die universellere christliche Glaubensauffassung gegendie engere jüdische zum Siege gelangt war, zu den wichtigstenGlaubensinteressen. Mochte auch den eifrigen Missionaren die Be-kehrung der Heiden zumeist mehr am Herzen liegen als die grosseCulturaufgabe die sie erfüllten, so musste doch nothwendig hier wiederder erreichte Zweck die Motive veredeln und durch das Beispielselbstloser Hingabe an eine ideale Aufgabe die tiefste Wirkungäussern. Wenn wir es noch heute gelegentlich erfahren, dass be-geisterte Missionare ihre Erfolge vor allem dem Eindruck ver-danken, dessen selbstlose Pflichterfüllung auch auf rohe Gemüthersicher ist, so lassen sich daraus einigermassen die ungeheuren Wir-kungen ermessen, die dieses Beispiel dereinst bei besser beanlagten,aber noch unverdorbenen Völkern ausüben musste.

In den Wohlthätigkeitsorden des christlichen Mittelalters bereitensich allmählich diejenigen Gestaltungen vor, welche in der modernenGesellschaft die humanen Bestrebungen anzunehmen beginnen undsicherlich mehr noch in der Zukunft annehmen werden. Denn dasBedürfniss und die Antriebe zu dessen Befriedigung halten hier nochkeineswegs gleichen Schritt. Die verwickeltereil Bedingungen derCultur und die grösseren Glücksfälle wie Gefahren, die dieselbe fürdie Einzelnen mit sich führt, haben Armuth und Elend heute viel-leicht mehr als je zu einem weit verbreiteten Uebel gemacht, wäh-rend zugleich durch die Zunahme der intellectuellen Bildung demBesitzlosen seine ungünstige Glückslage empfindlicher wird, als esehedem der Pall war. Nun ist es eines der schönsten Vorrechtedes Einzelbesitzes und zugleich einer der gewichtigsten Gründe seinerExistenz, dass er nach freier Wahl Werke der Woklthätigkeit ge-stattet und auf diese Weise nicht bloss eine gewisse Ausgleichungder durch die Lebensbedingungen entstandenen Unterschiede derGlücksumstände möglich macht, sondern auch durch die persönlichePorm, in der sich die Humanitätsleistung vollzieht, besonders ge-eignet ist auf den Gebenden wie auf den Nehmenden sittlich ver-edelnd zurückzuwirken. Aber schon heute hat unter dem zerstreuen-den Einflüsse namentlich des grossstädtischen Lebens diese persönlicheAusübung der Humanität mit immer grösseren Schwierigkeiten zukämpfen, und ihre planlose Thätigkeit führt unvermeidlich Erfolge