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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Vorwort.

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sind, wenn sie auch in gar vielem von der Sittenlehre und Rechts-philosophie eines Fichte und Hegel nicht minder wie von denSystemen eines Schleiermacher und Krause abweichen, doch derEthik des auf Kant gefolgten speculativen Idealismus in gewissenGrundgedanken nahe kommen. Aber auf die Gefahr hin diesesBefremden zu mehren will ich mit dem Bekenntniss nicht zurück-halten, dass nach meiner Ueberzeugung das Aehnliche was hier fürdie Ethik versucht wird in der nächsten Zukunft noch für andereGebiete der Philosophie sich wiederholen wird. Gibt es doch einenKreis von Anschauungen, der schon jetzt als hinreichend abgeschlossengelten darf, um an ihm das Verhältniss der philosophischen Arbeitunserer Tage zu der den Anfang dieses Jahrhunderts beherrschendenSpeculation ermessen zu können. Den Entwicklungsgedanken,der heute in alle biologischen Wissenschaften siegreich eingedrungen,hat zum ersten Mal in seiner umfassenden Bedeutung die Natur-philosophie Schellings und seiner Schule zur Geltung gebracht.Aber auf wie anderem Grunde ruht heute dieser Gedanke als damals!Dort ein Gewebe phantastischer Ideen, durch eine allen Regeln desexacten Denkens widerstreitende Methode zusammengehalten, hiereine Theorie, welche zwar mannigfacher und zum Theil unzureichenderHülfshypothesen nicht entbehrt, deren Basis aber doch die Erfahrungbleibt. Nicht anders stellt, wie ich meine, auch auf sonstigen Ge-bieten die heutige Wissenschaft zu der jener Zeit. Die Ideen derRomantik über Sprache, Mythus und Geschichte sind vergessen;ihre von einer spärlichen Kenntniss der Thatsacken getragenenPhantasien über die Cultur der Vergangenheit haben einer nüch-terneren Prüfung Platz gemacht. Gleichwohl verdanken wir diesenBestrebungen den Anstoss zu jenem congenialeren Eindringen infremde Zeiten und Welten, für das dem Jahrhundert der Aufklärungfast völlig der Sinn mangelte. Aus dieser Erweiterung des Gesichts-kreises aber ist jene, universellere Auffassung des geistigen Lebenshervorgegangen, die, heute ein Gemeinbesitz aller Geistes Wissen-schaften, in dem auf Kant gefolgten philosophischen Idealismus zumersten Mal ihren allgemeineren Ausdruck fand.

Auch bei der Beurtheilung philosophischer Lehren sollte mauden bleibenden Inhalt von der vergänglichen Form zu scheiden wissen.Systeme, die dereinst eine tiefgehende Wirkung auf die Geister ge-übt, die aber, in einer bewegten Zeit des Uebergangs entsprungen,nun der Geschichte angehören, werden weder als blosse Hirn-gespinnste zu verurtheilen, noch als unvergängliche Wahrheiten zu