aber als Atheist and Gotteslästerer lebte, schrieb und starb,ohne daß er jemals einen Grund dafür angeben konnte.— Ein großer Lyriker, gehört er ganz und gar Paris au.Wohl hat er als Deutscher einen gewissen Beigeschmack vonSanerkranr nnd geräuchertem Hering, gemischt mit etwasranziger Pomade zur blauen Blume."
Wenuwirdie in der französischen Lnft liegende Phrase ab-sondern, so werden wirmitdiesemUriheilziemlicheinverstandensein können; so viel ist gewiß, ob auch fremde Erde deslhenrcn Dichters Asche birgt, die lieblichen Weisen seinerLieder gehören doch dem deutschen Volke, dem er sie zuge-sungen in deit Tagen ungezügelter Lust, wie in den Tagenwilder Schmerzen, bald heiter lächelnd, bald klagend undtränmend, eine Weltpoesie, in der deutscher Geist undfranzösische Anmuth ihr Vermählungssest feiern.
Und dieser Gedanke sei gewissermaßen am heutigenTodestage des Dichters „Messe und Kadosch" zugleich, diewir seinem Grabe, weihen. Denn auch das wird, Gott seiDauk, in Deutschland nicht mehr geglaubt, daß dem Dichtereine verrätherische Hingebung an französisches Wesen, dieja damals unter denPariserDeutschen Mode war, vorzuwerfensei. Nur eine übertriebene Deutschthümelei, konnte einenJulian Schmidt, inmitten der hochgehenden Wogen desKriegs-jahres 1879, zu der Behauptung veranlasse», es müsse sichjedem deutschen Manne die Faust ballen, wenn er vondeutschen Sängern und Sängerinnen Heines Lied: „Diebeiden Grenadiere" singen höre.
Die Lieder Heinrich Heines haben für die trüben undfreudigen Stimmungen, in den Tagen frohen Genusses, wiein den Stürmen des Leids und Mißgeschicks, die Kraft unddie Wahrheit, uns über den Jammer dieser kleinen Menschen-welt zu erheben und zu trösten, und es wäre thöricht, denMaßstab so engherziger Beurtheilnng a» dieselben anlegenzu wolle».