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Unbekannte und ungedrnckte Lriefevon Heine.
Es ist nicht zu leugnen, daß wir Heine eigentlich erst,seitdem wir seinen Briefwechsel gelesen, wirklich kennen.Kaum ein deutscher Professor wird es heute noch wagen,ein solches Unheil über den Dichter zu fällen, wie etwa vorfünfundzwanzig Zahren Vilmar, Goedeke, Minkwitz u. A.Alle Eigenschaften des Charakters und Vorzüge des Herzens,die man dem ungezogenen Liebling der Grazien so gern ab-gesprochen, finden sich in seinen Briefen ausgeprägt. UndBriefe sind in der That Fenster der Seele. Man kamt durchsie klar sehen, während man durch andere Veröffentlichungennur ein gefärbtes Bild erhält. Von diesem Standpunktaus würde jede Publikation Heine'scher Briefe zu billigensein; bis jetzt hat noch keine ein schlechtes Licht auf denDichter geworfelt oder indiscreterweise ein Verhältniß ent-hüllt, das besser mit dem Schleier der Vergessenheit bedecktgeblieben wäre.
So bedarf eine Publikation Heine'scher Briefe heutekeiner Rechtfertigung mehr. Malt kann wohl dreist be-haupten, daß es wenige deutsche Dichter giebt, deren Briefeeilt gleiches Interesse erregen, wie die Heines. Und diesesInteresse beruht nicht etwa, wie bei vielen ähnlicheil Publika-tionen, nur auf der Lust am persönlichen Klatsch und Skandal-geschichten, sondern auf der Vorliebe für den sprühendenGeist des Dichters, der sich auch nicht in einer Zeile dessen,was er geschrieben, verleugnen kann, sowie auf der Er-kenntniß, daß diese Briefe die wichtigsten und charakte-ristischsten Beiträge zur Lösung jenes Dichter-Räthsels,zur Erkenntnis; dieser merkwürdigen poetischen Individualitätbilden. Zu der That, da wir wohl für immer auf die„Memoiren" Heines zu verzichten haben, müssen seine Briefe