Daß aber Heine das deutsche Vaterland geliebt, herz-innig geliebt hat von seiner frühesten Jugend an bis zuseinem Tode, das bedarf wahrhaftig nicht erst der Beweise,die in Hülle und Fülle beigebracht werden könntew
Ich habe einmal Einsicht nehmen dürfen in ein Schreibenans einem großen, leider zum größten Theil verloren ge-gangenen Briefwechsel Heines mit einem in Ungarn ver-storbenen bekannten Schriftstellew Dort heißt es in Bezugauf die obenerwähnte» Anklagen, die schon bei Lebzeitengegen den Dichter gerichtet wurden: „Wenn ich nicht meindeutsches Heimathland mehr liebte, als alle meineteutomanischen Freunde zusammen, dann wäre ichwahrhaftig nicht werth, daß meine Sachen imVaterlande so gelesen, gesungen und declamirtwerden, als es wirklich der Fall ist. Sie solltendann „auf rother Erde" ein Helles Feuer anzünden undein Litteratur-Torquemada sollte ein inquisitorisches Feuer-gericht über den Ketzer abhalten, der seines eigenenGeistes Mutter, der er Alles verdankt, was ihmdie verfluchte französische Phrase noch nichtgeraubt, vergessen konnte."
Niemals lebte aber die Liebe zu Deutschland so starkund innig in der Brust des Dichters, wie gerade in seinenletzte» Lebensjahre». Noch im Jahre 1855 äußerte er sichAdolf Stahr gegenüber: „Ich ließe mich gern noch nachDeutschland überführen, aber das zerbrochene Möbelstück istdie Transportkosten nicht mehr werth."
Und ein Jahr darauf starb er. Es war dem Dichterni cht beschieden, was er so heiß erfleht, so innig ersehnstdie Einigung und den Sieg Deutschlands zu erleben. Er,sein treuer Kunz von der Rosen, ging hin im Morgengrauendes jungen Tages, dessen Sonne über seinem Grabe erstaufgehen sollte. Was hätte Heine gesagt und gesungen,wenn er das Jahr 1870 miterlebt hatte, jene große Zeit,