Mau wird nicht ohne Rührung nach dem Tode desedlen Mannes diese Mittheilungen lesen. Wenn man be-denkt, was Karl Hillebrand in diese kurze Spanne Zeitvon noch nicht fünfundzwanzig Jahren an geistigem Gehalt zu-sammengedrängt, wenn man die lange Reihe seiner Manschen,literar- und kulturgeschichtlichen Werke und Essays Revuepassiren läßt, und wenn man endlich sein glänzendes Dar-stellungstalent, seine ideale Weltanschaung, seine kühne undzutreffende Weise, „Zeiten, Völker und Menschen" zu cha-rakterisiren, sich in Erinnerung bringt, so wird man zuder Ueberzcugnng gelangen, daß wir in ihm einen unserervorzüglichsten Schriftsteller verloren haben. Dann wirdnian aber auch des Dichters mit inniger Liebe gedenken,der ihm die ersteil Anregungen gegeben lind seine, erstenliterarischeil Versuche gefördert hat.
Heines letzter Tag.
Zn ein kleines, stilles Gäßchen des Seine-Babel führeich nun die geneigten Leser. Zwar nur wenige Schrittedavon tost und tobt die Meuschenwelle gar gewaltig; Carossenund Spaziergänger lind Lärm und Musik fluthen durch dieherrlicheil Champs Elysses; hier aber ist es still und einsam,in der Avenue Matignon. Nur selten trägt der Windhaucheinen Ton von drüben in diese abgelegene Straße; nurvereinzelte Spaziergänger wählen sie, um nach dem Arede l'Etoile zu gelangen. Und drei Treppen hoch, hundert-nndfünfzig Stufen, muß ich Sie bitten, mich zu begleitenund durch einen langen finstern Corridor zu wandeln, ehewir in etil kleines, aber Helles und freundliches Balkon-zimmer gelangen, das uns durch seine Ausstattung schonauf den ersten Blick als eine Krankenstube erscheint.