Heinrich Heine in Kerlin.
I.
Auf seiner berühmten Reise von München nach Genna,die Heine selbst in so unnachahmlich humoristischer Weiseschildert, begegnet ihm in München „ein echter Sohn derSpree" mit einem „erzprosaischen Wittwenkassengesicht, stock-gescheidten Aeugeleiu und aufgestülpter, pfiffiger Forschungs-nase", der ihn mit den Worten anspricht: „Et is heite eenescheene Witterung".
Heine antwortet ihm darauf ebenfalls in der „SpracheCharlottenburgs": „In der That, die Witterung ist sehrscheene"; und nun entspinnt sich ein lebhaftes Gespräch,in dem der Sohn der Spree Berlin mit München vergleichtund ersteres außerordentlich hochstellt, während Heine dasIsar-Athen lebhaft vertheidigt und Berlin augreift. SeinMotiv hierfür ist folgendes: „Dergleichen geschieht meistaus purer Politik, denn ich weiß, sobald ich anfange, meineguten Berliner zu loben, so hat mein Ruhm bei ihnen einEnde, und sie zucken die Achseln und flüstern einander zu:„Der Mensch wird sehr seicht, uns sogar lobt er." Freilich,damals ahnte Heine noch nicht die dichterische Mission, zuder er berufen, und die, unabhängig vo» seinen sonstigenAnschauungen und Schöpfungen, ihn zum deutschen Dichtermachte, auf den das Vaterland mit Stolz hinweisen kann,und von dem, wie von vielen Anderen, Berlin sich rühmendarf, deit Grundstein zu seiner Bedeutung gelegt zu haben.Die Politik unseres Dichters war also in dem Falle eiltefalsche, und der Umstand, daß wir heute, schon M Jahre
i