— III —
Franz Lißt und Heinrich Heine.
Es ist auffallend, daß die Beziehungen zwischen demgenialen Künstler und dem gefeierten Dichter bisher nochnirgends geschildert worden sind. Die Thatsache, daß Heineund Lißt befreundet waren, ist bekannt. Wer aber Näheresüber diese Freundschaft erfahren wollte, der würde sich ver-geblich an die Biographen des Dichters wie des Musikerswenden. Selbst der letzte Biograph Lißts, L. Ramann,*)dessen Werk ein liebevolles Eingehen auf die Entwickelnngs-geschichte seines Helden verräth, weiß von diesen Beziehungennichts zu vermelden. Heine wird darin etwa zwanzigmalcitirt, seine Beziehungen zu Lißt werden aber nicht erzählt.Zch will es hier versuchen, an der Hand der mir zu Gebotestehenden Duellen diese Lücke in den Lebensgeschichten beiderMänner, so gut es eben geht, auszufüllen.
Es ist merkwürdig, daß bei bei den vielen Berührungs-punkten, die Lißt und Heine hatten, es gerade der Saint-Simonismus war, der sie zuerst zusammenführte. Aber nurauf den ersten Blick erscheint dies merkwürdig. Wer diegeistige Entwickelung beider genauer kennt, wird dies sogarsehr natürlich finden. Der Saint-Simonismus fing geradean, seine hochftiegende Idee einer theokratischen und indu-striellen Gütergemeinschaft zu realisiren, als Heine nachParis kam und Lißt eine große innere Geisteswandlungerlebte. Das war im Zahr 1830.
Der Saal in der Rue Tarranne, wo die „Väter" derneuen Schule allsonntäglich ihre Vorträge hielten, war damalsder Sammelpunkt aller jener Geister, die in der freien Ent-
„Franz Lißt als Künstler und Mensch" von L. Ramann. ZweiBände. Leipzig 1880. Bvcitkopf und Härtel. Ein interessantes Buch,das allen Verehrern des Heimgegangenen Meisters empfohlen werdenkann.