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Poris, 3. August 1?W. Der Hofrath Maxiunliau Hciur ausSt. Petersburg ist dorthin zurückgereist, nachdem er drei Wochenin Paris verweilte. Er wollte sich hier durch eigene Anschauungvon der Krankheit seines Bruders Heinrich Heine unterrichten.Er genoß jedoch nur die Beruhigung, daß dem theurcn Dichterdie sorgsamste Pflege zu theil wird, und ein ebenso einsichtsvoller
wie gewissenhafter Arzt, der Or. Grubp, ihn behandelt
Als wir hier das Vergnügen hatten, den verehrten Reisenden amKrankenbette seines Bruders zu sehcu, suchte er ihn dadurch zuerheitern, daß er ihm die Titulatur aller seiner Acmter, Orden undWürden vorlas, die fast eine ganze Seite füllten. Der Dichterlachte herzlich, als Or. Heine auch erwähnte, daß er durch die Huldund Gnade Sr. Majestät des Kaisers in den erblichen Adelstnnderhoben worden sei. Lieber Max. rief jener, das kann dir ja dochnichts nutzen, da du ja doch keine Kinder hast; es wäre bessergewesen, wenn er dir statt dessen einen guten Kaviar gegebenhätte, den wir mit einander vcrschmauscn könnten! Doch die Emolu-mente, die mit den Acmtcrn verbunden, der bedeutende Gehaltund die große Pension, die man nach Ablauf einer bestimmtenDienstzeit in Rußland genießt, stimmten den Dichter etwas ernst-hafter, und er mußte die weltlichen Vorthcile anerkennen, die eineabsolute Monarchie dem Talent gewährt, während dasselbe inRepubliken beständig der Scheelsucht der Mittelmäßigkeit, der ple-bejischen Verleumdung, wo nicht gar dem Ostracismus bloßgestelltwird. Heinrich Heine sagte: Seit dreißig Jahren diene ich derFreihcitsgöttin treu und redlich und alles, was ich in ihrem Dienstegewonnen, ist die Rückcnmnrksdarre.
Damit schloß die Reklamenotiz. Aber nein, das wardein gewissenhaften Kolb doch ein bißchen zn viel und ergestattete sich de» Znsatz; („Daran ist die Göttin der Frei-heit doch wohl unschuldig!").
Das letzte Schreiben an Kolb eröffnet uns wieder ein-mal den Einblick in jene Nöthen, welche der damalige Mangeleiner litterarischen Konvention zwischen Deutschland undFrankreich für Heine bis in seine letzten Lebenstage imGefolge hatte. Veröffentlichte er eineArbeit zuerst im deutschenOriginal, so wurde sie widerrechtlich in Paris übersetzt,