Druckschrift 
Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

— 322 —

habe für die Prutzischen Jahrbücher, und da diese bereits miteinem andern Artikel versehen, wünsche er ihn irgendwo andersabzudrucken. Da Herr Gottschall außerordentlich schön schreibt,und es auch aus anderen Gründen gut wäre, wenn Sic einmaleine Probe seiner Arbeit sähen, so habe ich ihn ersucht, Ihnen denArtikel zukommen zu lassen und er wird Ihnen wahrscheinlich vonHerrn Prutz zugesandt werden; können Sic ihn brauchen, so wirdmir dieses gewiß nützlich sein, und der Herr Gottschall beauftragtmich für diesen Fall Ihnen zu sagen, daß Sic allen überwucherndenEnthusiasmus nach Belieben ausscheiden mögen. Ich zweifle nicht,daß mein Buch wegen seiner Sensation, die es macht, wenn auchnicht wegen seines Wcrthes, solchermaßen einen zweiten Artikelin der „Allgemeinen" verdiente; mir, wie gesagt, geschieht dadurchein großer Dienst, vielleicht leider der letzte, da es seit einigenTagen sehr abschüssig mit mir geht.

Doch ich bin über alles Klagen hinaus und nur bei den liebstenFreunden lasse ich zuweilen einen Seufzer aus dem Herzen hervor-dringen. Tag und Nächte noch immer die unleidlichsten Schmerzen —und eben nur die Erinnerung an die Freunde beruhigt mich manch-mal und läßt mich manchmal den Augenblick vergessen.

Grüßen Sie mir recht freundlich den Herrn Peschcl, dem ich,sobald ich eine heitere Stunde habe, selber schreiben werde. Auchdem großen Hcilbronncr meine Grüße. Ihr ^ Ncinc.

Der in diesem Schreiben erwähnte Peschel ist der be-rühmte Geograph Oskar Peschel, der damals Mitredaktenrder „Angsburger Allg. Zeitung" war. Der SchriftstellerGottschall ist natürlich kein anderer als unser Rudolf u.Gottschall, der damals — 1851 — viel mit Heiue iu Parisverkehrte. Der „große Hellbrauner" war ein ehemaligerbayrischer Oberst von riesiger Größe nnd Stärke, der dnrchsein Buch „Morgen- und Abendland" bekannt wnrde. Dernächste Brief bringt abermals unter anderem eine Berich-tigung. Er lautet folgendermaßen:

Paris, den L. August 1852.

Liebster Kolb!

Indem ich Ihnen beiliegende Zeilen zusende, zweifle ich nicht,daß Sic sie unverzüglich in der „Allg. Ztg." abdrucken werden;