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„Wer hat Sie denn wieder belästigt? fragte Hartmaniliheilnehmend.
„Die einzige Dame, die Sie bis jetzt nicht besucht hat,mein Guter!" replieirte Heiue.
„Und die wäre?"
„Die Muse, lieber Hartman»!" —
Solcher schmerzensfreier Augenblicke, in denen sich seinHumor ungehindert entfalten konnte, hatte Heine allerdingsin den folgenden Jahren nur noch wenige. Die Besucheraus der Heimath hatten vielmehr das traurige Schauspiel,einen Menschen bei lebendigem Leibe absterben zu sehen.Nur wenn er, wie ein echter Stoiker, den Körperschmerzvergessend, sich in die höchsten Fragen der Poesie, desMenschenlebens sich vertiefte, war auch dies Schauspiel einfeierlich erhabenes. In solcher Stimmung trafen ihn zweischwäbische Gelehrte im Sommer 1851, der Tübinger Philo-soph Immanuel Hermann Fichte und dessen Sohn, der jetzigeGeneral-Arzt der würtembergischen Arme, Dr. Eduard vonFichte. Den Mittheilungen dieses verehrten, durch seinekriegschirurgischen und organisatorischen Arbeiten rühmlichstbekannten Gelehrten verdanke ich den einen der nachfolgendenbeiden Briefe und die Erläuterung zu dem zweiten, derallerdings schon vor fünfundzwanzig Jahren in einer Zeit-schrift, aber unvollständig und ohne Angabe des Adressaten,veröffentlicht worden, seither aber so vollständig in Ver-gessenheit geratheu, oder vielmehr auch so unbekannt gebliebenist, daß nicht einmal Adolph Strodtmann bei der Sammlungder Heine'schen Briefe ihn anfgefunden hat.
Zur Erläuterung des ersten Briefes muß noch hinzu-gefügt werden, daß das Gespräch zwischen Heine und demPhilosophen, der in zahlreichen und bedeutenden Werken dieethische Theologie der nachkantischen Denker ausgebildet hat,um die individuelle Fortdauer nach dein Tode, um Geister und