— 298 —
Laube, „ich würde (Gott verzeih' mir die Sünde), ich würdewie ein Römer diesen schlechten brnstglucksenven Nächtenund dieser ganzen Misöre ein Ende machen. Aber dasschickt sich nicht für mich, den Hausvater. Laß uns Testa-ment machen, so lange dn hier bist!"
Zu der That, Laube hatte Recht, wenn er in der Er-innerung an dies Wiedersehen bemerkte: Shakespeare hatMcrcutio nicht besser sterben lassen, als Heine sich selbersterben läßt! Und in einer solchen Sterbestimmung war'swohl auch, daß er dem jungen Ferdinand Lassalle, demkampfesfrohen Bürger einer neuen Zeit, statt einer Empfeh-lung die folgende Karte an Alexander v. Humboldtmitgegeben hat:
Dem großen Alexandres sendet die letzten Grüße der sterbende
H. Heine.
Ich verdanke die Mittheilung des Wortlauts dieserKarte der Güte des Herrn Professors Dr. Brngsch-Pascha,der seinerseits wieder mit einer Empfehlung Humboldtszu Heine nach Paris kam und voll dem Schmerzenslager desDichters die interessantesten Mittheilnngen und Gesprächeiil seinem erstaunlich guten Gedächtnisse aufbewahrt hat.
Welcher Deutsche mochte damals überhaupt nach Parisgehen, ohne Heine seinen Besuch abzustatten! Und wer wärenach Hanse gekommeil ohne Heine geseheil zu haben! Voneinem dieser zahlreicheil Pilger habe ich ein Witzwort Heinesgehört, das derselbe von dem kranken Dichter in einemschmerzfreien Augenblicke vernommen und sich ans MorizHartmann bezogeil hat, der bekanntlich ein Liebling derFrauen gewesen und der meinen Gewährsmann bei Heineeingeführt hatte. „Ich habe schon heute Damenbesuch gehabt,lieber Hartmann," so fing Heine die Unterhaltung an.