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Heinrich Heine und seine Zeitgenossen
Entstehung
Seite
292
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körperlicher Schmerz hieß, namentlich vor Prügeln. Doch gicbl'swohl wenig Menschen, wo das Inncrc im Stillen immer so mächtigund fürchterlich sortbrütet, als bei Heine, wenig Menschen, beidenen das Innere sich so wenig im äußeren Leben zeigt, als beiihm. Die meisten Menschen, mit denen er umging, sah er nurvon einer poetischen Seite an, je mehr er Jemanden gebrauchenkonnte, desto lieber ging er mit dem Menschen um, einerlei werer war. So läßt es sich erklären, daß er ein Herz mit demschauderhaftesten Ochsen war; von ihm hatten diese Menschennichts als seine schlechten Witze, ihn amüsirten sie durch ihreEigenheiten bis zum Todtlachcn; wo etwas lächerlich war, oderwo seine Ironie Spielraum hatte, da war er am wohlsten. Freundehatte er sehr wenige, doch die, welchen er einmal traute, hatte ersehr lieb, gegen diese war er, bis auf gewisse Stücke, sehr offen,hinreißend liebenswürdig, von dem feinsten Schicklichkcitsgefühle,grade und aufopfernd. Er prahlte sehr, und dabei hatte innerlichdoch niemand eine geringere Meinung von sich als er; am liebstenscherzte er über seine juristische Unwissenheit. Bei seinen heftigenund unausgesetzten Kopfschmerzen hatte er eine seltene Heiterkeitund Frische des Geistes, die sogleich durchblickte, wenn ihm etwaseinfiel, was ihm lächerlich war. Niemanden habe ich über seineeigenen Witze mehr lachen hören als ihn, Niemand machte mehrWitze als er, aber auch Niemand mehr schlechte als er; die gutenwaren sehr gut. —

Er hatte viel hellen Kopf, aber war zum Denken zu faul.Wenn er nicht wohl war, so flüsterte er fast nur und hatte seineAugen fast immer halb geschlossen. Da er fast nie ganz wohlwar, so hatte er davon eigene Züge erhalten; besonders charak-^ tcristisch war bei ihm ein sehr ironisches und kühnes Ziehen derlinken Oberlippe. Doch ein ander Mal mehr."

Leider scheint das Verspreche» der Schlußworte nichtschriftlich eingehalten worden zu sein; wenigstens ist dieobige Briefstelle die einzige, die lins zugänglich wurde. Mailwird dies bedauern dürfen, denn die Charakteristik zeigtvon seltenem psychologischem Scharfblick, nnd unser Respektvor demselben wird um so größer, wenn wir uns erinnern,daß dieses Urtheil von einem Zweiundzwanzigjährigen übereinen Fünfundzwanzigjährigen niedergeschrieben worden.