— 287 —
Berlin, den 11. April 1828.
Lieber Jmmcrmanu!
Ich bin noch nicht aus dem ersten Lachen gekommen, seit ichhier bin; alle Mittheilungen muß ich bis zu meiner Zurückkunstnach Magdeburg aufsparen. Vnrnhagens und den größten Theilmeiner Freunde habe ich in vollem Wohlsein angetroffen. Anderesind abwesend. So ist z. B. die Hohenhausen nach Dresden gereist,begleitet vom Baron v. Uechtritz! Dieser hat also jetzt Gelegenheit,weibliche Charaktere zu studiren. Wenn Blomberg zu Ihnen kommt,so bitten Sie ihn, daß er hier in Berlin im Comptoir vonM. Friedlander u. Comp., Neue Friedrichstraße 47 seine Adressefür mich abgebe. Ich werde ihn alsdann schon auffinden; michwürde er schwerlich zu Hause treffen. — Viele haben sich nachZhnen erkundigt. — Leben Sic wohl. Ich sehe Sie bald. IhrFreund
H. Heine.
In Eil.
Ich befinde mich sehr wohl.
Zur Erläuterung dieses Briefcheus ist nur wenig zubemerke«. Wir erfahren daraus, daß Heiuc schon 1824mit Zmmermann so befreundet war, daß er ihn wiederholtiil Magdeburg, wo dieser zur Zeit als Kriminalrichter lebte,besucht hat. Es ist dies bisher ebensowenig bekannt ge-wesen, wie die Thatsache, daß Heine eigentlich zuerst denDichterrnhm Zmmermanns proklamirt hat, und daß er geradedamals von Berliner Kritikern wegen dieser Propagandafür einen „obskuren Magdeburger Dichterling" hämisch an-gefeindet wurde. — Friedrich von Uechtritz ist der bekannteromantische Dichter, der damals eifriges Mitglied der poe-tischen Tafelrunde bei Lntter ck Wegener war, an der Heineund Grabbe das große Wort führten. — Elise v. Hohen-hausen war gleichfalls eine bekannte Schriftstellerin, dieerste Uebersctzerin Byrons in Deutschland. Es ist wohlnun ein Stück Berliner Medisanee, wie es im Salon Barn-hagen damals ausgeheckt zu werden pflegte, was Heine vonbeiden berichtet. — Wilhelm v. Blomberg endlich war ein