1800 geboren und mit Bestimmtheit angicbt, daß ihr BruderHarry elf Monate älter als sie gewesen sei. Steht nundas Geburtsdatum Heines für alle Zeit fest, so kann manaus diesem Anlasse den Wunsch gewiß nicht unterdrücken,daß sich doch die Familie des Dichters bald entschließenmöchte, die gewiß sehr interessante und in jedem Falle wich-tige Correspondenz Heines, die noch in ihrem Besitze sichbefindet, herauszugeben. Zch weiß nicht, ob unter diesenBriesschätzen sich auch eine Copie des Schreibens Heines anseinen Cousin, Dr. Rudolph Christiani, befindet, vondem seltsamerweise ein ungarisches Blatt vor etwa fünfJahren zuerst einen Auszug brachte und dessen Originalsich im Besitze eines Arztes zu Perchtoldsdorf in Nieder-österreich befinden soll. Der Brief scheint nach jenen Aus-zügen sehr interessant zu sein. Ob er im authentischenWortlaut von der einen oder der andern Seite wird ver-öffentlicht werden, weiß ich nicht. Begnügen wir unsdaher vorläufig mit den folgenden, allerdings ans dem Un-garischen ins Deutsche rückübersctzten Stelleil und Aphorismenjenes Briefes:
Ich bin wirklich krank . . . Der Speichel im Munde ist bitter,ich kann mir nur helft'n, wenn ich bittere Aphorismen schreibe. . .Und dafür verlange ich nicht einmal ein Honorar. Nur wer einGott war, kann ein Teufel werden, wie auch nur derjenige vonHaß weiß, der wirklich geliebt hat ... Es giebt hundert Artendes Rechtes, aber jeder sucht sein eigenes . . . Der schlechte Ministerfürchtet die Preßfrcihcit, wie die Dirne die hellbeleuchtete Straße.
Auch ein Gedicht befindet sich bei diesem Briefe, ill demfast aus jeder Zeile das Wort „Liebe" vorkommeil soll, dasaber schon im „Buch der Lieder" — und zwar als das 89.voil den Liedern der „Heimkehr" — steht. Es ist das be-kannte Gedicht: „Der Tod, das ist die kühle Nacht — dasLeben ist der schwüle Tag."