fortan als solche gelten! Sie sind in Wahrheit „Fensterseiner Seele"; sie sind aber noch mehr: nämlich Zeugnisseseiner inneren Wahrhaftigkeit, die so viel bestritten worden,sowie seines guten Charakters, der nicht minder oft ver-leumdet wurde! Es ist uoch lauge uichl gebührend ge-würdigt, welche Bedeutung seine Briese für unsere Ansichtvon Heines Wesen allmälig gewinnen, indem sie eine selteneNebereinstimmung zwischen seinen privaten und öffentlichenAeußerungen constatiren und so die Ausrichtigkeit dieser wiejener bekunden.
Es kommt »och dazu, daß Heine — wie für jedenKenner leicht ersichtlich — seine Briefe nicht für den Druckgeschrieben hat. Die Zugendbriefe natürlich nicht; aberauch nicht die späteren aus der Periode seiner Berühmtheit,wiewohl die tinberechtigte Publikation einzelner Zugend-briese bei Lebzeiten des Dichters (1843) ihm schon damalsdie Gewißheit gab, daß die gesammte Correspondenz nachseinem Tode einem gleichen Schicksal nicht entgehen werde.Und doch schrieb Heine auch ferner nicht für den Druck,wie man leicht beweisen könnte. Ich meine, daß auch diesMoment erheblich zu seinen Gunsten in die Wagschalefällt, wenn man seine Briefe mit denen gefeierter deutscherDichter, deren Charakter von den zünftigen Litterarhistorikernund Biographen nicht hoch genug über den Heines gestelltwerden kann, einmal wird zu vergleichen haben.
Die nachfolgenden Briefe und Brieffragmente besteheneigentlich nur „aus verlornen Nehren, aus verwehterSpreu"! Sie waren vergessen oder sind nicht bekannt ge-worden, weil die Besitzer seinerzeit nicht viel Werth darauflegten. Und dennoch bieten sie so manches Beachtenswertheund Znteressante zur Biographie Heines, zur Geschichteseiner Beziehungen zu hervorragenden Zeitgenossen, zurKenntniß seines Charakters und seiner Lebensanschanung.