und mit ihr hat das Interesse an Heine, anch in jenenKreisen, denen er schon entsremdet war, so stark zugenommen,daß man heute wohl berechtig: ist, von einer litterarischenAuserstehung des Dichters zu sprechen. Allein aus den:vergangenen Jahre zähle ich fünf Broschüren und mehrals sechzig Zeitungsartikel über Heine und die Memoiren.Nun sind sie da, die langersehnten, viel umstrittenen undheiß umworbenen, fast mythisch gewordenen Memoiren, vonderen Existenz die Eingeweihten allerdings schon seit Zahrenwußten. Bekanntlich sollen diese Memoiren sogar in zweiRezensionen existiren, deren eine die jetzt veröffentlichte vonMathilde-Julia ist, während die andere und, wie es heißt,vollständigere in dem Besitz des Baron Gustav Heine inWien sich befinden und nach dessen bündiger Erklärungniemals das Licht der Welt erblicken soll. Der Herans-geber der ersten Rezension, die zuerst in der „Gartenlaube"zum Abdruck gelangt und sodann auch als Supplement zuHeines Werken erschienen ist, behauptet allerdings ebensobündig, daß eine zweite Rezension gar nicht existire.^) Sosteht die eine Behauptung der andern gegenüber, und esbleibt dem Leser überlassen, sich sein eigenes Urtheil zubilden. Inzwischen halten wir uns an die existirende Aus-gabe, bis über die zweite eine authenische Aufklärung erfolgt,oder das verhängnißvolle „Niemals" vielleicht doch aufgehobeilwird.
Die Erwartungen, die mau au diese Memoiren Heinesknüpfte, waren aber nicht blos deshalb so hoch gespannt,weil ein journalistischer Federkampf darüber entbrannte,sondern hauptsächlich, weil mau nach den „Geständnissen"und anderen autobiographischen Mittheilungen Heines zu-nächst, dann aber mich ans seinen brieflichen Aeußerungenüber die Memoiren selbst, zu diesen Erwartungen vollaufBergt. S. W.